Agathe

Agathe war ein mißmutiges Mädchen. Voller Ingrimm und Geringschätzigkeit. Schon beim Aufwachen war sie übellaunig. Wohl auch, weil man sie Agathe geheißen hatte. Kein anderes Kind, weder in der Schule, noch im Mikadoverein, hatte einen solch altmodischen Namen. Brian hießen die, und Chelsea oder Detmold. Namen mit dem Unterton von Freiheit und Möglichkeiten. “Agathe” dagegen klang als pinkle ein nierenkrankes Frettchen am Straßenrand auf eine rostige Fantadose. Fand Agathe. Unfassbar gewöhnlich und allerhöchstens mit dem Unterton von Verzweiflung und Selbstaufgabe. Kein Wunder also, daß sie genervt war.

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Egal

Ich bin dir egal. Oder? Kümmert dich, was ich denke? Was ich empfinde? Findest du meine Gegenwart erbaulich? Unglaublich, daß ich derartiges erfragen muß. Hast du doch neulich meine Hand noch derart fest gehalten, als gäbe es einen Orden dafür zu gewinnen. Und ich dachte ich könnte dich für mich erringen. Weil du für jeden ein Gewinn wärst. Obwohl ich manchmal nach Worten ringe, weil du mich sprachlos machst. Weil du mich dir zu Willen machst. Willfährig gleiten meine Gedanken an deinen Kurven entlang. Schleudertrauma im Wortschatz.

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es koennte schlimmer sein

Hin und wieder ist das Leben wie der Mount Everest und man weiß nicht, ob man eher Edmund Hillary oder Tenzing Norgay ist. Oder ein Yak. Mit einer Hüftprothese. Die größte aller Aufgaben liegt vor einem. Die Göttinmutter der Berge. Scheinbar unerreichbares. Doch man schreitet voran. Dann und wann ist das Leben wie ein warmer Aufwind. Es trägt dich, hebt dich, lässt dich schweben. Zerzaust dir liebkosend die Schwungfedern mit Unterstützung. Schwerelos gleitest du voran.

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Hier ist der Grenzbereich. Das Ende der Fahnenstange. Fünf vor zwölf. Drei Schritte vorm Abgrund. Kurz bevor sich zwei Drähte berühren, die eigentlich besser nichts miteinander zu tun hätten. Die angespannte Stimmung deutet es an. Der anschwellende Soundtrack im Hintergrund. Ein kurzes Zucken des Augenlids. Händereiben. Gleich knallt es. Gleich ist der Ofen aus. Gleich ist Apokalypse. Wenn mich der gesunde Menschenverstand, die Vernunft, nicht wieder kurz vorher aufhalten. Aber die Urteilskraft schwindet. Zehn Schritte gen Explosion, neun zurück. Jedesmal. Irgendwann gibt es kein zurück mehr. Jedes aufhaltende, tiefe Durchatmen ein Menetekel. Irgendwann platzt mir der Arsch.

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