verloren

Rot gleich Hagebutten gucken, tränenfeucht die Augen mir,
durch kaputte Brillengläser, sucht der wässrig Blick nach dir.

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dunkelblau

Dieser Tage scheint jede Minute ein Menetekel. Als würde der Kontrabass im Soundtrack anschwellen, die Geigen zirpen. Unheilschwanger türmt sich Ungewissheit auf, beugt sich dunkel drohend über mich. Die Luft elektrisch angespannt, wie vor einem Gewitter. Kein Punkt an dem Auge oder Verstand sich festhalten können. Alles fließt und verschwimmt. Beinahe wie diese weichgezeichneten Instagramm-Leben. Nur nicht beige oder mocca oder taupe. Dieser Tage grollt dunkelblau.

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zu spät

Ich wollte dir doch noch
all meine Geschichten erzählen
die niemand sonst kennt
die der Kern meines Wesens sind

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Egal

Ich bin dir egal. Oder? Kümmert dich, was ich denke? Was ich empfinde? Findest du meine Gegenwart erbaulich? Unglaublich, daß ich derartiges erfragen muß. Hast du doch neulich meine Hand noch derart fest gehalten, als gäbe es einen Orden dafür zu gewinnen. Und ich dachte ich könnte dich für mich erringen. Weil du für jeden ein Gewinn wärst. Obwohl ich manchmal nach Worten ringe, weil du mich sprachlos machst. Weil du mich dir zu Willen machst. Willfährig gleiten meine Gedanken an deinen Kurven entlang. Schleudertrauma im Wortschatz.

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der Tanz

Die Musik ist laut. Sehr laut. Physisch laut sogar. Lautsprachen versagen in dieser Umgebung. Außer man ist bereit und willens seinen Gegenüber anzuschreien. Und sich retour selbst anschreien zu lassen. Zwar lehnt man sich dafür fast empfindsam ins Gesichtsfeld des Plauderpartners, aber das Geschrei besteht ohnehin nur aus verknappten Sätzen. Und so schwingt bei dieser beinahe militärischen Kommunikation immer auch etwas Aggression mit. Aber was will man schon machen: Anpassen oder Aussterben.

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Die Aufregung

Die Menschen möchten gern Texte lesen, in denen sich einer aufregt. Am Besten über eine Sache, über die sie sich auch aufregen. Damit sie sich bestätigt sehen. Idealerweise strotzt der Text auch von Kraftausdrücken. Von Schurken und Verbrechervisagen soll dort die Rede sein. Von Haderlumpen und Pottsäuen. Von Taugenichtsen und Frechdächsen. Manchmal auch von Arschlöchern. Flachwichser, die uns alles wegnehmen oder Blödmänner, die uns nichts abgeben, sollen Thema sein. Die Schweine da oben, die Idioten da rechts, die Chaoten da links, die Gierschlunde da unten. Die ganze Welt voller wahnhaft religiöser Windelköpfe aus dem Mittelalter. Dann erst einmal eine Weile nichts. Und wir mittendrin. Wer wir sind, weiß niemand. Auf jeden Fall sind wir aber nicht die anderen, denn über die kann man sich nur aufregen.

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weeping_feather

Reime, Verse, hört die Warnung, eure Schönheit in Gefahr,
selbsternannte Hochpoeten, tummeln sich hier offenbar.
Tumbe, seichte Dichtungsleger, voll von Übermut indes,
und dem Glauben und der Ansicht, dass dort Kunst den Stift verlässt.

Orthographisch und grammatisch, wie ein kraftvoll Scrotumtritt,
reißt im Grunde auch die Wortwahl, kaum ´nen Rezipienten mit.
Dennoch finden sich Claqueure, zweifelhaft ihr Intellekt,
die vermelden wie viel Weisheit, hier sich im Banal´n versteckt.

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Volk von einem

Manchmal bin ich mein eigener bester Freund. Und wir haben nur Flausen im Kopf. Manchmal bin ich kein guter Umgang für mich. Ein Volk von einem. Für das die verschwommene Unendlichkeit des Universums direkt hinter der Nasenspitze anfängt. Und auch davor gelegentlich flackert. Ein Volk von einem. Umfangen von weißem Rauschen. Gleichsam hundert Stimmen im Kopf. Hundert Stimmen in der Dunkelheit. Mit hundert Meinungen und Fragen und Ideen. Dennoch manchmal einsam. Ein Volk von einem.

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Neid

Ab und an komme ich mir richtig naiv vor. Einfältig beinahe. Auf kindliche Art gutgläubig und vertrauensselig. Meist geschieht dies, wenn mir wieder einmal in Erinnerung gerufen wird, daß das Gros der Menschen sich mehr dafür interessiert, was andere machen und denken, als gemeinhin zugegeben wird. Aus Wettbewerbsgründen. Aus Konkurrenz. Um einen Vorsprung zu erlangen. Um besser dazustehen. Willkommen in der Ellenbogengesellschaft.

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Schlauchomat

Aus Gründen, deren Ursprung und Umfang ich hier nicht weiter zu erörtern gedenke, bin ich in den Besitz eines neuen Mobiltelefones gelangt. Eigentlich wäre besagte Anschaffung nicht unbedingt notwendig gewesen, aber das schlanke Kerlchen hatte seine inneren Werte so aufreizend in Tabellenform gegossen, daß meinem inneren Nerd das Blut ganz mächtig gen Süden schoß und sich die daraus entstehende Aufregung zugleich zur Brieftasche aufmachte. In schon schmerzlichem Grade zwar, mußte das Bargeldsuspensorium erleichtert werden, aber die Verheißungen der multimedialen Zukunft hatten mir schon die Sinne venebelt. Sogar mit einer liebgewordenen Tradition ließ mich der zukünftige Fernsprecher brechen: Ich würde mir eine Micro-SIM-Karte besorgen müssen. Ein Unterfangen griechischer Epik, wie sich rasch zeigte.

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