Im Schutze der Nacht, im Zwielicht, scheint es manchmal als flüsterten meine Gedanken in die Stille und die Welt flüsterte kaum merklich zurück. Als würden die Sinne schärfer während das Bewusstsein allmählich in den Schlaf hinübersinkt. Ja, als könne man die eigentlich unsichtbaren Ätherfäden erspähen, die das Innere der Realität zusammenhalten und nur selten Phantasie und Farbenpracht entweichen lassen. In diesen Minuten, da das Leben nur noch halb wirklich ist, sehe ich dich noch. Treffe ich dich noch. Erscheinst du mir noch. Als Schatten, als Luftbild, als Sagengestalt. Als Traumfee.

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herbstmorgen

Irgendwie genervt klopfen die Regentropfen ans Fenster. Das schwärzeste lila der Nacht ist bereits vorüber und man kann die endlosen Fäden, in denen sie zu Boden fallen, beinahe schon sehen. Ich sitze im Schneidersitz auf der Couch und lausche. Meine schwere Strickjacke, die ich erst zu dieser Jahreszeit hervorhole, umarmt mich. In beiden Händen halte ich die dampfende Kaffeetasse. Mein Blick ist noch schläfrig und ohne Fokus. Alles riecht nach Äpfeln. Bratäpfeln fast.

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herbstherz

Es wird wieder Zeit
für lange Schlafanzughosen
der Herbst naht
mit kühlen Nächten
und Dunkelheit

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Schlaflos

Eben noch.
Hellblauer Himmel
und Zuckerwattewolken.
Nur ein paar. Hier und da.
Wie von Bob Ross gemalt.
Happy little clouds.

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Halma im Hirn

Erneut deutet sich ein giraffenschwarzer Tag an. Punktuell Scheiße. Dann aber vom Scheitel bis zur Sohle. Melancholisch plätschern die Gedanken dahin. Harmlose Rinnsale noch, die sich jedoch hastdunichtgesehen zur Breite des Brahmaputra zu vereinen wissen. Die Stimmung gleicht dem Unterdeck eines Sklavenschiffes des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Schwankend. Und schon nach kurzer Zeit beschissen.

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der wechsel

Irgendwie verstehe ich diesen ganzen Firlefanz um den Jahreswechsel nicht. Mit wieviel Nachdruck darauf bestanden wird, daß es sich um einen ganz besonderen Tag handele. Welcher natürlich mit einer imposanten Menge Alkoholika und Sprengstoff zelebriert werden muß. Dieser Tage für mich nur noch wenig nachvollziehbar. Außer, daß man sich einen neuen Kalender kaufen muß, ist der 01.01. doch eigentlich wie jeder Monatserste. Und wenn man einmal Gandalfs Feuerwerk im ersten Teil vom Herrn der Ringe gesehen hat, wissen einen die murkeligen Aldi-Raketen, 10 Stück 10 Euro, auch nicht mehr wirklich vom Hocker zu hauen.

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newyear2016

Im Badezimmer riecht es zwar, als hätte sich ein Schwarm Koalas dort übergeben, aber insgesamt scheint das Jahr zu einem recht vergnüglichen Ende zu finden. Wohl auch weil das Koalakotzekozentrat, großzügig auf der Brust verteilt und sorgsam ins Badewasser gegeben, die gröbsten Ausläufer einer Atemwegsdepression wegzuduften wußte. Inklusive Fieber und Kopfschmerz. Zugegebenermaßen war die generöse Medikation mit Schlaf wohl auch unterstützend wirksam. Aber nun kann der Endspurt mit freien Luftlöchern eingeleitet werden.

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Biorhythmus

Mein Murmelinneres wird hier mächtig zwischen Wellenklüften und -bergen hin- und hergeworfen. Ich drifte inmitten wuchtiger Massen aus Bewusstsein und Traumverstand. Alle Wasser waschen an den Vorstellungen, fluten die Gedankengänge. Ruinen. Erosion. Abrieb. Der Leuchtturmwärter ist krank geschrieben. Aufs Kind. Keuchhusten. Muß man im Auge behalten. Schlurfend knistern seine Pantoffeln über den Teppich aus verlorenen Fäden. Sein Turm zuckt währenddessen orangegelb ins indigo. Lange kann das nicht mehr gut gehen.

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mylo_1

Wenn ein Freund in Not dich fragt, ob er mal eine Nacht auf deiner Couch pennen kann, überlegst du nicht lange. Wenn besagter Freund noch nicht einmal selbst fragen kann, wir nehmen zu seinen Gunsten mal Bescheidenheit und den Wunsch nicht zur Last zu fallen an, und seinen Erziehungsberechtigten vorschickt, sagst du erst recht „Ja!“. Ohne groß nachzudenken. Auch über die Komplikationen. Tagsüber ist er ja immer ein ganz dufter Typ, was könnte da nachts schon groß anders sein? Einiges, wie sich rasch zeigte.

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Teetasse

Ich habe mir ein Nest gebaut. Aus meinen vielen Kissen. Einen Unterschlupf, einen Kobel, einen Bau, ein Krankenlager, eine Lagerstatt. Ein sicherer Hafen, in dem die Wellen der Bewusstlosigkeit über mich hinwegbranden. Kleine Stücke meiner Zurechnungsfähigkeit reißen sie doch immer mit. Greifen wütend und mit feuchten Händen nach mir. Ein aufbrausender Sturm der Gedankenlosigkeit. Umhergeworfen wie Treibholz.

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