dunkelblau

Dieser Tage scheint jede Minute ein Menetekel. Als würde der Kontrabass im Soundtrack anschwellen, die Geigen zirpen. Unheilschwanger türmt sich Ungewissheit auf, beugt sich dunkel drohend über mich. Die Luft elektrisch angespannt, wie vor einem Gewitter. Kein Punkt an dem Auge oder Verstand sich festhalten können. Alles fließt und verschwimmt. Beinahe wie diese weichgezeichneten Instagramm-Leben. Nur nicht beige oder mocca oder taupe. Dieser Tage grollt dunkelblau.

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newyear2016

Im Badezimmer riecht es zwar, als hätte sich ein Schwarm Koalas dort übergeben, aber insgesamt scheint das Jahr zu einem recht vergnüglichen Ende zu finden. Wohl auch weil das Koalakotzekozentrat, großzügig auf der Brust verteilt und sorgsam ins Badewasser gegeben, die gröbsten Ausläufer einer Atemwegsdepression wegzuduften wußte. Inklusive Fieber und Kopfschmerz. Zugegebenermaßen war die generöse Medikation mit Schlaf wohl auch unterstützend wirksam. Aber nun kann der Endspurt mit freien Luftlöchern eingeleitet werden.

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Teetasse

Ich habe mir ein Nest gebaut. Aus meinen vielen Kissen. Einen Unterschlupf, einen Kobel, einen Bau, ein Krankenlager, eine Lagerstatt. Ein sicherer Hafen, in dem die Wellen der Bewusstlosigkeit über mich hinwegbranden. Kleine Stücke meiner Zurechnungsfähigkeit reißen sie doch immer mit. Greifen wütend und mit feuchten Händen nach mir. Ein aufbrausender Sturm der Gedankenlosigkeit. Umhergeworfen wie Treibholz.

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krank und kreativ

Die vergangenen Tage haben in mir die Erkenntnis reifen lassen, daß mein Hirn ein hochgradiger Hypochonder und unter normalen Umständen ein rechtes Faultier sein muß. Kaum steigt die Kerntemperatur, fieberbedingt, um zwei, drei Grad an, nimmt es schon an, daß der dunkle Schnitter lauert und evakuiert noch einmal schnell alles, was sich an farbenfroher Kreativität aufgestaut hat. In Reimform obendrein. Oder sollte ich nur Zeuge von dem geworden sein, was in der Literatur gemeinhin als Fieberwahn bezeichnet wird? Es bleibt nebulös.

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Es senkt sich grauer Schleier platt, auf´s Haupt, das in den Kissen matt. Und zwängt und drängt und stößt und drückt, was eben noch den Geist verzückt, mit sanftem Griff mich fassend gleich, zu Morpheus in sein Traumesreich. Ein warmer Fieberglanz umsteht, mir Haut und Haar, der Körper fleht, nach Labsal und nach Schlafe bald, da Dämm´rung über Sinne wallt. Die Wirklichkeit in schleichend Schritt, verlässt mich, nimmt die Schranken mit, die eben noch klar eingerahmt, was man im Möglichen erahnt. Nun ist die Weite grenzenlos, von Regeln gänzlich losgemacht, wenn Phantasie nur Leben haucht, in Farben, Formen, Stimmen, Nacht. Fast wie im Rausch vergang´ner Tage, verdichtet sich Gemengelage, ersinnt, erspinnt, ideenreich, der Geist was nichts Realem gleich. Und ohne Rand, und ohne Saum, ein sanfter Flug von Traum zu Traum, ein weicher Fluß, ein schwebend Schritt, reißt mit sich alle Sorgen mit. Ein stummes Lächeln macht zufrieden, den Kopf geneigt, den Ausblick liebend, die Hände seitlich Ferne fassen, das Haupt gerad´ in den Wolken lassen. Und körper- und auch willenlos, in Sicherheit, in Morpheus´ Schoß.

Da töne ich neulich noch wie der Großwesir von Großkotzistan von blendender Gesundheit. Von nur marginalen Abnutzungserscheinungen. Ja sogar von partiell unfassbar angestiegenen Sinnesleistungen. Und nun das. Schläfrigkeit. Aufruhr im Magen-Darm-Trakt. Drohende Druckkulisse hinter den Sichteinlässen des Gesichts. Als klassisch ausgebildeter Hypochonder will ich gar nicht wissen, was das Internet mir für Krankheiten andichten würde, wenn ich die Symptome in eine entsprechende Seite eintippte. Masern vielleicht. Kam gerade erst was im Fernsehen drüber. Masernepidemie momentan in München und Berlin. Und ich habe die ganze Woche in einem kaum klimatisierten Raum mit Berlinern und Bayern verbracht. Obwohl man bei Masern wohl, noch bevor eine hübsche rot juckende Maserung den Körper einwebt, erstmal Halsschmerzen und Fieber hat. Kurzer Check. Beides negativ. Außerdem bin ich ja vielleicht sogar geimpft. Diese sozialistischen Schergen haben das ja recht genau genommen. Fifty-fifty Chance vermutlich. weiterlesen »