Welch wundersame Heilkraft wohnt doch dem Gehen inne. Dem Schlendern, Flanieren und Wandeln. Welch zauberhaften Rhythmus entspinnt doch das Laufen. Das Stromern und Schwärmen und Strolchen. Welch vergnügliches Unterfangen ist doch die Wanderschaft. Das Pilgern, Marschieren und Pirschen.

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schriftverkehr

An manchen Tagen bin ich nur ein blaues Hakenpärchen, eine folgende Funkstille, eine Antwortlosigkeit, davon entfernt zu zerbrechen. All die Monate des Verlierens und Verlassen seins und Vermissens haben mich ausgehöhlt. All das Kämpfen und Probieren und Versuchen hat mich schwach zurückgelassen. Meine Erinnerungen an dich werden immer schwammiger. Dein Gesicht und deine Stimme zerrinnen in diesen Erinnerungen allmählich. Deine feinen Eigenheiten werden vage und ich kämpfe verzweifelt um die Bewahrung der Vergangenheit.

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herbstherz

Es wird wieder Zeit
für lange Schlafanzughosen
der Herbst naht
mit kühlen Nächten
und Dunkelheit

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dunkelblau

Dieser Tage scheint jede Minute ein Menetekel. Als würde der Kontrabass im Soundtrack anschwellen, die Geigen zirpen. Unheilschwanger türmt sich Ungewissheit auf, beugt sich dunkel drohend über mich. Die Luft elektrisch angespannt, wie vor einem Gewitter. Kein Punkt an dem Auge oder Verstand sich festhalten können. Alles fließt und verschwimmt. Beinahe wie diese weichgezeichneten Instagramm-Leben. Nur nicht beige oder mocca oder taupe. Dieser Tage grollt dunkelblau.

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positiv bleiben

In halber Nacht stehe ich und schaue den Birken beim Schlummern zu. Der anbrechende Morgen liegt wie ein glühendes Bolerojäckchen auf ihren Schultern. In meinem Kopf ist noch Sophokles. In gesammelten Werken lungert der auf dem Abort herum, um längere Aufenthalte erquicklicher zu gestalten. „Wer nicht mit Worten spart, sagt manches, was erfreut, wohl auch, was ärgert oder rührt, und bringt hierdurch den Schweigenden dazu, dass er sein Schweigen bricht.“, lässt er Antigone feststellen. Fast scheint es, als ob der neue Tag der literarischen Griechin zustimmen würde. Scheint, als ob er mir mit Luft und Duft und frischem Licht etwas zu sagen hätte. Ich breche also mein betretenes Schweigen, räuspere mich kurz und knalle der Welt ein etwas zu lautes „Moin“ vor den Bregen.

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5er Gebot

Kürzlich las ich folgenden, motivierenden Satz: „Wenn eine Angelegenheit in fünf Jahren nicht mehr von Bedeutung sein wird, lohnt es sich heute nicht, länger als fünf Minuten über sie nachzudenken“. Ich fand den Ausspruch recht pfiffig, da man immer wieder über Kleinigkeiten nachdenkt und prüft und grübelt und seine Zeit damit verprasst. Dann begann ich jedoch über den vermeintlich so tiefsinnigen Satz nachzudenken und ihn zu prüfen und zu grübeln und musste seine Allgemeingültigkeit doch allmählich in Frage stellen.

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Halma im Hirn

Erneut deutet sich ein giraffenschwarzer Tag an. Punktuell Scheiße. Dann aber vom Scheitel bis zur Sohle. Melancholisch plätschern die Gedanken dahin. Harmlose Rinnsale noch, die sich jedoch hastdunichtgesehen zur Breite des Brahmaputra zu vereinen wissen. Die Stimmung gleicht dem Unterdeck eines Sklavenschiffes des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Schwankend. Und schon nach kurzer Zeit beschissen.

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