Halbgedachtes Midasmorgen

Schlaftrunken blinzle ich in die ersten Stunden des neuen Sommertages. Die Sonne lässt ihren Midasfinger schon über Bäume und Dächer und Wolken gleiten und so schwebt der Morgen in lautlosen, goldenen Wellen durchs Fenster. Die Luft hat sich noch etwas Nacht bewahrt. Ist frisch und klar. Beinahe weckt sie meine papierdünnen Gedanken auf, die noch müde im Glutlicht baden. Große, warme Unendlichkeit umfängt mich. Als gäbe es keine Verbindung zur Realität, zum Hier und Jetzt. Als wäre dieser Moment alles. Seufzend sauge ich ihn in mich auf.

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Gefangen hinter Gitterstäben aus Erinnerungen. Ein Käfig aus Zeit, aus Vergangenheit. Angekettet von Unfähigkeit und Unwillen zu vergessen. Gefoltert von den eigenen Gedanken und bohrenden Fragen. So fühlt sich das Leben an den dunklen, an den meisten, Tagen an.

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Die Inspiration

Lass´ dich von der Inspirationsfee küssen. Einen dicken Schmatzer mitten auf die Stirn. Dahinter werden die Ideen geboren. Neue Kinder von alten Gedanken. Lass´ dich inspirieren und du wirst sie überall finden. Diese Ideen. Von denen man soviel hört.

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Erkenntnis

Erkenntnis wird, soweit bekannt, oft überraschend nur erlangt. Du suchst und fragst ganz grübelig, da kommt sie plötzlich über dich. Was eben noch verwirrend war, wird innerlich dir eilends klar.

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Michael

In all den Ecken dieser Welt, so haben Forscher wohl gezählt,
sind tausend mal tausend Millionen, Insekten, die diese bewohnen.
Sie krabbeln, zirpen und brummen, sie fliegen, zischen und summen,
Sie kneifen, beißen und stechen, kurzum sie gehör´n zu den Frechen.

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Brezel

Manchmal plappert man sinnlos vor sich hin und es ist nicht alles nur ein amüsantes Kauderwelsch. Bisweilen verbalisiert sich eine spontane Idee mit Potential. Entspinnt sich ein kleines Gedankenexperiment, aus dem mal eine Geschichte oder ein Bild oder beides werden kann. Glücklich ist der, der sich in solchen Momenten der Gegenwart eines Ohrenzeugen, abseits der inneren Identitäten, zu versichern weiß. Eines aufmerksamen und ausgefuchsten Anwesenden, der die Idee aus dem üblichen Wortsalat heraushebt und auf sie aufmerksam macht. Ich, für meinen Teil, denke und erzähle nämlich soviel Käse und Absurdes, daß leicht mal ein interessantes Schätzchen verloren gehen kann.

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Agathe

Agathe war ein mißmutiges Mädchen. Voller Ingrimm und Geringschätzigkeit. Schon beim Aufwachen war sie übellaunig. Wohl auch, weil man sie Agathe geheißen hatte. Kein anderes Kind, weder in der Schule, noch im Mikadoverein, hatte einen solch altmodischen Namen. Brian hießen die, und Chelsea oder Detmold. Namen mit dem Unterton von Freiheit und Möglichkeiten. “Agathe” dagegen klang als pinkle ein nierenkrankes Frettchen am Straßenrand auf eine rostige Fantadose. Fand Agathe. Unfassbar gewöhnlich und allerhöchstens mit dem Unterton von Verzweiflung und Selbstaufgabe. Kein Wunder also, daß sie genervt war.

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positiv bleiben

In halber Nacht stehe ich und schaue den Birken beim Schlummern zu. Der anbrechende Morgen liegt wie ein glühendes Bolerojäckchen auf ihren Schultern. In meinem Kopf ist noch Sophokles. In gesammelten Werken lungert der auf dem Abort herum, um längere Aufenthalte erquicklicher zu gestalten. „Wer nicht mit Worten spart, sagt manches, was erfreut, wohl auch, was ärgert oder rührt, und bringt hierdurch den Schweigenden dazu, dass er sein Schweigen bricht.“, lässt er Antigone feststellen. Fast scheint es, als ob der neue Tag der literarischen Griechin zustimmen würde. Scheint, als ob er mir mit Luft und Duft und frischem Licht etwas zu sagen hätte. Ich breche also mein betretenes Schweigen, räuspere mich kurz und knalle der Welt ein etwas zu lautes „Moin“ vor den Bregen.

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morgen ist heute schon gestern

Komm! Wir laufen in die Zukunft. Hand in Hand. Oder zumindest erst einmal nebeneinander. Wären wir gestern losgelaufen, wären wir morgen schon da. Jetzt könnte es länger dauern. Aber so ist das halt mit uns.

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Halbgedachtes die andere seite des Tages

Im Osten bricht die Nacht auf, ein neuer Tag bricht an. Es ist kaum sieben Uhr. Ich sitze auf dem Balkon und lasse mir von der klaren, kühlen Luft des Morgens den Schlaf aus den Falten klopfen. Von innen hilft ein zu starker Kaffee mit.

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