Das Fehlen

„Weißt du“, sagt die junge Dame, die ich gerad´ erst wiedersah,
„wie an vielen Wochenenden, deine Texte wunderbar,
mir die Laune aufgebügelt, das Gemüt ganz warm gestimmt,
da des Alltags graue Schwere, farbenreich sich dort verdingt.“

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weeping_feather

Reime, Verse, hört die Warnung, eure Schönheit in Gefahr,
selbsternannte Hochpoeten, tummeln sich hier offenbar.
Tumbe, seichte Dichtungsleger, voll von Übermut indes,
und dem Glauben und der Ansicht, dass dort Kunst den Stift verlässt.

Orthographisch und grammatisch, wie ein kraftvoll Scrotumtritt,
reißt im Grunde auch die Wortwahl, kaum ´nen Rezipienten mit.
Dennoch finden sich Claqueure, zweifelhaft ihr Intellekt,
die vermelden wie viel Weisheit, hier sich im Banal´n versteckt.

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wortgewand

Auf du und du mit Poesie,
der Schneckenbiss im Wortsalat.
Mit Alphabet im Partnerlook,
der Logik wohlfein Widerpart.

Bald freundschaftlich mit Drang und Sturm,
Mit Substantiv´ wie „Sockenschuss“,
so labet sich der Bücherwurm,
an „Tidenhub“ und „Omnibus“.

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morning_wood

Wie feiner Zwirn aus warmem Duft umwebt dich sanft die Morgenluft,
malt glühend einen Aurenschein, hüllt weich in mattes Licht dich ein.
Ganz schläfrig noch die Stimme bricht, da Atemzug mit Gähnen ficht,
doch Melodie ist schon geahnt, als Wort um Wort sich Wohlklang bahnt.
Ein Fältchenpaar die Augen säumt, der Geist dahinter wohl noch träumt,
wenn funkelndes in Feuerkraft, mit schwebend Macht die Lider rafft.
Und ein feudales Strähnenpaar, rahmt federleicht das Haupt mit Haar,
ja rankt in leisem Lockenklang, an Wang´ und Ohr dir gerad´ entlang.
Wie neugeboren, schuldlos fast, ganz elegant und ohne Hast,
zerbrechlich auch in edler Kraft, Bewegungen in scheidend Nacht.
Ach wüsst´ man nicht das Alltag dräut, und aller Tage Qual auch heut,
verlör´ man sich in diesem Blick, und kehrte gleich zu ihm zurück.
Doch webt mir dieser sanfte Duft, ´nen warmen Zwirn für Morgenluft,
ein feines Lächeln schärft mir ein, das Leben heißt am Leben sein.

jute laune

Ach seht nur, wie Grinsen Gedanken durchzieht, wo gestern noch hatte das Trübsal geblüht, ist Luft heut´ Konfetti und derlei Gepränge, die Sinne befreit, des Alltags, der Enge. Frohesten Mutes und kleidsamster Laune, so sitz´ ich und steh´ ich und schmunzle und staune, welch´ schillernd Ideen, sich obenrum tummeln, die Händchen sich haltend die Rübe durchbummeln.

Ihr Treiben zu ahnen an sonnigen Augen, vom Munde die Winkel gen Himmel sich schrauben, die Brauen gebogen, die Nüstern verzückt, ein leuchtendes Lächeln, der Welt ganz entrückt. Das sprachlose Sprachloch mit Noten gestopft, und Note für Note Gesang aus ihm tropft, erst flüsternd, ganz leise, ein schleichendes Summ´n, dann himmelhoch jauchzend, will nie mehr verstumm´n.

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Wie wird der Geist mir wunderlich, wie wind´ ich in Verzückung mich. Wie klopft mit Narrenschellenklang, der Wahnsinn obenrum mir an. Hört´ ich da gerad´ den Buxbaum bellen, sah ich den Luchs durch´s Dickicht schnellen? Trägt Karos heut´ das Himmelsblau, ist Irrsinn nur wohin ich schau? Und überhaupt, die Sinne sind, am Schwinden, weichen blitzgeschwind. Denn was begreiflich und real, wird nun ersetzt, wird anormal. Die Luft schmeckt nach Lakritzgeschneck´ , ganz ohne Grund und ohne Zweck. An jeder Hand sechs Finger dran, da freut sich der Zwölffingerdarm, denn endlich kann man angenehm, nun Hand in Hand, durch´s Leben gehen. Ein Kibitz neckt aus fernen Wipfeln, er sucht nach Drüs´gewebesgipfeln. Denn leidlich schmust´s auf Dauer nur, sich an dem Busen der Natur.

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Flammen-Ich

Wo furchenschneidend Überschwang, mit Blutgewalt sich Räume nahm, und Berg und Tal zugleich verkehrte, den Leibe jeder Qual entschwerte. Wo seidenflügeln alle Kraft, die Wärme sonst im Kerne schafft, ward aufgefächert, ausgebreitet, umfangend was die Blicke weitet. Wo Zuversicht und Hoffnung brannten, die Sinne Unbekanntes kannten, und Mut und Stärke obendrein, die Herren meines Herzens sei´n. Wo jeder Schritt beinah ein Sprung, und jeder Satz Melodium, das Gehen bald zum Tanze wird, schwebend man die Füße führt. Wo Altes sich in neuem Licht, in farbenreicher Schönheit bricht, kaum ein noch aus sich wenden weiß, der fräsend Puls im Fluße heiß. Wo Zeit reales nicht mehr ist, man Tage nach Vermissen misst, und Stunden gleichsam Ewigkeiten, im Kreise die Gedanken leiten. Wo Alltag nicht mehr aus zu machen, und alle Tage frohes Lachen, ein Glückesglanz in Augen steht, ein Blütenzauber mich umweht.

Sind nun Klüfte nur verblieben, klaffend schwarz im Seelenfrieden, der Horizont in Narbenbahn, kündet von vergang´nen Qual´n. Sind alle Kräfte, doch zum Schluß, zurückgekehrt zum Nucleus, die off´ne Hand zur Faust verkehrt, da schmerzliches die Flügel schwert. Sind Glut und Qualm die letzten Zeugen, daß Mut und Stärke mussten beugen, sich and´rer Herrschaft als der meinen, musst´ dennoch selbst sie mir verneinen. Sind Schritte wieder merkmalsfrei, nur Fuß vor Fuß ganz einerlei, da jede musische Gestalt, im gestern ist schon längst verhallt. Sind matter alle Farben auch, im Lichte Schimmer noch von Rauch, der fraß, was sonst ich Schönheit hieß, und sattes grau nur übrig ließ. Sind Tage ewig gleich und lang, und aller Tage Alltag dann, nur selten blitzt der Geist da auf, nichts stört den Strom in seinem Lauf. Sind Lächeln, Frohsinn Maskerade, die Welt an sich doch reichlich fade, die Luft nur Eis und existent, nichts mehr, was man Zauber nennt.

Die Stille, die mir aufgezwängt, und bleiern am Gemüte hängt, soll hilfreich wohl Gedanken leiten, füllt ungelesen tausend Seiten. Was ungefragt für mich bestimmt, die Ödnis, die Gefühle nimmt, kettet mich in Fragezeichen, die Fragen, immer doch die gleichen. Und andernorts scheint nichts gescheh´n, die Tage munter weiter geh´n, während hilflos aufregiert, mir winterlich das Herze friert. So machtlos, frei nicht zu entscheiden, so muß als Kinde man wohl leiden, wenn höhere Mächte Fakten fügen, und gleichsam dir den Willen biegen. Was leicht zu akzeptieren wäre, bindet so in qualvoll Schwere, und nagt mit Kräften Ego an, bedeutungslos, was einst ein Mann. Und Trotz und Wut aus Unverstand, weil jede Antwort unbekannt, woll´n schleiern mir die Blicke schon, da herrschaftslos mein eig´ner Thron. Sie welken gleichsam doch dahin, wie aller and´rer liebend Sinn, und man gibt auf, nichts ist mehr wahr, ein jeder Tag wie immerdar. Die Zeit zurück, beinah verschwendet, da andernorts schon längst beendet, was vermutlich nur Sekunden, da uns´re Blicke eng umwunden.

Der Raubzug

Mit Klipp, Klapp und Rotorenklang, schwebt unheildräu´nd geschwinde an, ein Helikopter, schwarz maskiert, die Birk´ dort er beinah frisiert. Schon zieht er seine Kreise enger, verstummt sind längst die Vogelsänger, und landet, lässt nicht unverschont, die Wies´ wo Captain Crazy wohnt. Der Rotor stellt´s rotieren ein, gemeint sind beide, groß und klein, und aufgeschoben seitlich wird, ´ne Tür die in das Inn´re führt. Gerad´ da heraus, erscheint sodann, als Umriß erst, ein schwarzer Mann, tritt auf das plattgewehte Gras, wo Flugluft deutlich Kreise fraß. Ein dunkler Anzug, Sonnenbrille, ein ernster Blick, ein fester Wille, am Handgelenke festgezurrt, ein Koffer, der „Geheimnis“ schnurrt. Die Augen rasch nach beiden Seiten, ob Schurken nicht durchs Dickicht schreiten, dann festen Schritts der Türe zu, mit Eile aber doch in Ruh´. Den Zeigefinger ausgestreckt und unters Klingelschild gestreckt, denn während oben „Crazy“ steht, es untenrum ums bimmeln geht. Ein kurzer Druck, ein Heidenlärm, so hatte man ´ne Klingel gern, dann warten ob auch Gehör auch findet, was rasselnd sich der Glock´ entwindet. Schon hört man drinnen Schritte nah´n, Pantoffelfuß auf Teppichbahn, ein Schatten auch am Türspion, da öffnet sich die Pforte schon.

„Ja bitte?“ fragt mit fragend Blick, ein Lockenwicklerkopf zurück, darunter rosa bad´ummantelt, es sich um Crazys Mutter handelt. „Tach Frau Crazy“, spricht der Gast, „ein Unterfangen größter Hast, g´hört unverzüglich adressiert, an ihren Sohn, da es pressiert.“ „Der schläft noch“, wirft die Mutter ein, verfällt dann prompt jedoch ins schrei´n, den Hals ins Innere gedreht, ein morgenmuffl´ger Ruf entsteht. „Das is für dich, so´n Anzugclown, nebst Helikopter, Black Hawk Down, beweg´ den Arsch aus Kissen zackig, mir ist´s egal ob du noch nackig.“ Ein Räuspern von der Fußmatt´seite, „Tschuld´gung, doch ich unterbreite, auch gleich den Pavian zu hol´n, denn das spart Zeit, die glüht wie Kohl´n“. Die Frau Mamma verdreht die Augen und angenervt hört man sie schnauben, „Gib Gummi eure Durchlaucht und, ich rede fuss´lig mir den Mund, schlepp´ auch den Aff´n gleich mit an, auch er soll Neues hier erfahr´n“. Mit Mißmut blickt sie auf den Gast, der ängstlich seinen Koffer fasst, „Die komm´n gleich“ sprichts und wendet sich, entschlurft ins Innere neuerlich. Auf einmal Zeter, Mordio, Alarmgeheul wie Jericho, ein Blitz, ein Licht, ein Paukenklang, so stürmen uns´re Helden an. Zwar Kissenfalten eingeprägt, wo rosig´ Wangenglanz sonst steht, und wilde, nächtlich´ Haarfrisuren, doch eines zeitigt keine Spuren. Müdigkeit sucht man vergeblich, im Heldenjob ist das recht löblich, agil und voller Tatendrang, tritt man an den Besucher ran. „Captain Crazy, stets zur Stelle, ob Giftgaskrieg, Tsunamiwelle“, „Sein treuer Sidekick, Pavian, was steht denn an, ist schon getan!“. Und pralle Muskeln unterstreichen, die beiden hier, geh´n über Leichen, die Fäuste in die Hüften stemmend, und weder Angst noch Rückzug kennend. Verdattert schaut der Anzugmann, verzückt auch, sich das Schauspiel an, vergisst beinah warum er hier, bei soviel Glanze in der Tür. Er wischt sich schnell den träumend´ Blick, für später ins Gehirn zurück, postiert sich aufrecht, und beginnt „Meine Herr´n, die Zeit verrinnt! ´Ne walfischgroße Sorge bringt, ein Schatten der die Welt umringt, mich heute morgen zu euch beiden, eilt euch, da Unschuld´ge leiden.“

Gespitzt die Ohr´n, in Augen Glanz, ein wenig Schlaf auch, dennoch ganz, erwartungsfroh und einsatzklar „Wo soll´n wir hin, sind praktisch da!“. Der Gast ist baff, die scherzen nicht, Gefahr und Tod im Angesicht, in Fleisch gezwängt und aufgefahr´n, der Captain und sein Pavian. Er nimmt vom Handgelenke ab, den Koffer der da hing recht schlapp, zieht aus seinem Innenleben, ´ne Akte, will sie übergeben. „Top Secret“ ist da aufgedruckt, was beide Helden wenig juckt, sie wehren ab und machen klar, zum Lesen, da sind and´re da. „Pack´ ganz schnell deine Zettel ein, du laberst hier, währ´nd sonstwo schrei´n, Rentnerwelpen, Katzenkinder, sturmgeplagte, hungernd´ Inder. Sprich einfach aus, wo man uns braucht, schon sind ganz flugs wir abgeraucht, zerschmettern Schurkenstaaten, Killer, also heb´ an, was ist´s, was will er?“. „Wow!“ entfährt´s dem Aktenmann, schon ist´s Papier zurück getan, und mit staatsgetrag´ner Stimme, „Mein Herr´n, jetz´ kommt das Schlimme. Ein fieser Typ, ein Bösewicht, vielmehr genau´res weiß man nicht, hat angefang´n und das weltweit, ´nen Diebeszug vor ein´ger Zeit. Mit Hinterlist und skrupellos, mit Hass und Häme selten groß, gepeitscht von schier unfassbar Ragen, beklaut er Ananasplantagen. Fast alle Früchte schon gestohlen, um sich ein Monopol zu holen, der miese Plan, so scheint´s, dabei, ein Preisanstieg bei Toast Hawaii. Und auch die Pizza gleicher Art, vom Scheusal wird nicht ausgespart, nein sparen wird hier niemand mehr, drum schickt die UNO mich heut´ her. Der Schurke feiert fette Margen, mit Diebesgut von den Plantagen, und wir sind hilflos, essen gar, ´nen Toast mit Namen Angola. Doch Hirse ist nicht Ananas, so macht das Leben keinen Spaß, drum bitten wir, ja flehen bald, beendet diese Fruchtgewalt!“.

Ein kühler Kennerblick verrät, ein Zahnrad sich ums and´re dreht, in Captain Crazys Oberstuben, wie beizukomm´n dem bösen Buben. Versonnen stiert er in den Morgen, auf seinen Schultern Weltensorgen, an seiner Seit´ der Pavian, fängt unterdes das Lausen an. Mit Messern kann man Spannung schneiden, wie lang soll der Planet noch leiden, was wird entschieden, was getan, ganz zittrig ist der Anzugmann. Ganz plötzlich zuckt ein klares Funzeln, zwischen Crazys Augenrunzeln, ein Entschluß scheint nun beschlossen, ein Geistesblitz durch ihn geschossen. „Ihr habt den Richt´gen angesprochen, die Suppe der Justiz zu kochen, zu backen, besser formuliert, die Pizza die hier int´ressiert. Und mopsen, klauen, diebesstehlen, das braucht man sicher nicht verhehlen, gehör´n bestraft mit scharfer Klinge, doch anders liegen hier die Dinge. Zum einen schmeckt ´ne Ananas, als ob die Zung´ ´nen Fuß anfasst, nach Leichnam, bitter auch und sauer, Geschmack wie Fürze, Hagelschauer. Doch nicht genug, denn obendrein, will nun Belag sie auch noch sein, will Schinken und auch  Käse schänden, mit ihren faulig, fruchtig Händen. Ich schmeck´ doch süß, so zwitschert sie, und bin auch rund wie Salamie, was würde also näher liegen, als auf die Pizza mich zu schieben. Nein, ruf ich, und Doppel-Nein, dies´ Gräuel soll beendet sein. Anstatt in frühster Nacht mich wecken, ihr solltet eure Hand ausstrecken, und Dankbarkeit entgegenbringen, nur Genius konnte dies gelingen. Die Plage von der Welt zu nehmen, der Ananas Gewalt zu zähmen, dem Hussein der Früchtewelt, mal ganz galant das Bein gestellt.“. Schon knallt die Tür, Gespräch beendet, schulterzuckend sich nun wendet, der Anzugmann dem Flieger zu, aus Anfangshast wird hilflos Ruh´. Bar jeder Hoffnung geht´s zurück, vielleicht hat ja ein and´rer Glück, doch dieser Held und sein Kumpan, vereit´ln nicht den üblen Plan.

Im Hausesinnern unterdessen, wird schmatzend lachend nun gegessen. „Die hab´n wir sauber dran gekriegt, wohl schon sich mancher Balken biegt. Zu doof im Ansatz nur zu wissen, ihr´n Namen in den Schnee zu pissen!“. Mit vollen Backen wird gelacht, die Mutti hat das Mahl gebracht, als Mahlzeit wurde vorbereitet, was schon seit Wochen sie begleitet. Am Morgen, Mittag, Abend nur, ganz frisch gepflückt aus der Natur, man weiß´s schon, wem erzähl´ ich das, die beiden schlürfen Ananas.

Als Captain Crazy jünger war, verlief sein Leben linear. Frühstück, Mittag, Abendessen, Zähne putzen nicht vergessen. Zehn Dutzend mal die Knie gebeugt, was schon von echter Hingab´ zeugt, im Schlafanzug ins Schlafgemach, mit Einhornträum´ und Schnarchenskrach. Ab und an noch eingenässt, weil Mutti eh die Wäsche wäscht. In jedem Fall beim Weckerklang, dem Bett entsprungen voll Elan. Der Sonne einen Morgengruß, der Mutti Arbeit und ´nen Kuss, und dann von vorn das ganze Spiel, verwirrt und jung und mopsfidel. Er lernt, was man so lernen muß, das ABC und solchen Stuß, zum Beispiel bis zehn Dutzend zählen und wie das geht geheim zu wählen. Warum Vögel fliegen können, wie Wissenschaftler Dinge nennen, wie Blut durch uns´ren Korper schießt und wie man richtig Hecken gießt. Rundherum, den ganzen Kram, den man im Leben brauchen kann. Bis hierhin alles wie bei allen, solch´ Leben könnt´ ihm recht gefallen, doch weit gefehlt, denn schicksalshaft, entfaltet´s Schicksal seine Kraft.

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