wahnwitz

Oh, merket auf, es klopft. Ist wohl die Vernunft, die pünktlich wie ein Uhrwerk Einlass begehrt. Rasch, so eilt euch doch, verrammelt das Portal. Hier sollen Schalk und Schabernack heut´s  Zepter schwingen. In diesem Rund soll Unfug regieren. Heut´ kann die Realität ihren Mantel mal gleich am Eingang abgeben. Samt der Ernsthaftigkeit in den Taschen. Wir bohnern indes die Treppen und rodeln dann. Wir balancieren Melonen auf Nadelspitzen. Wir wurschteln uns durch den Zwiebelhain und schärfen vegetarisch die Sinne. Servieren das Salamibrot mit Tischfeuerwerk. Ohnehin: Mehr Konfetti!

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Neid

Ab und an komme ich mir richtig naiv vor. Einfältig beinahe. Auf kindliche Art gutgläubig und vertrauensselig. Meist geschieht dies, wenn mir wieder einmal in Erinnerung gerufen wird, daß das Gros der Menschen sich mehr dafür interessiert, was andere machen und denken, als gemeinhin zugegeben wird. Aus Wettbewerbsgründen. Aus Konkurrenz. Um einen Vorsprung zu erlangen. Um besser dazustehen. Willkommen in der Ellenbogengesellschaft.

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Kann man seinen Augen trau´n, ist´s Hirninfarkt, gar Fiebertraum, selbst schärfster Blick lässt keinen Raum: Der Fuchs sitzt im Rhabarberbaum. Die Rage ließ ihn hochwärts stieben, zu tollen zwischen jungen Trieben, vorbei das ruh´ge Kugel schieben, wenn man von Tollwut angetrieben. Er linst und grinst und lacht und kracht, durch´s Blattwerk, was ihm gar nichts macht, er bellt und johlt die halbe Nacht, manch´ Volkslied wird auch dargebracht. Schau´ mich nicht so schaumig an, die Augen wütend aufgetan, verzückt mich doch dein Tatendrang, und deiner Kehle jeder Klang. Sprint´ nur durch Rhabarberstauden, will´s der Blick auch erst nicht glauben, in Anmut sich empor zu schrauben, als dürft´s die Schwerkraft nicht erlauben.

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Flaschen-Günther und der Hosenmann

So ein Leben braucht Struktur. Eckpfeiler, an denen man die Luftschlangen und Lampions der Irrationalität aufhängen kann. Routinen und wiederkehrende Ereignisse, welche einrahmend den zügellosen Geist umfangen. Immer mittwochs und freitags ist Wochenmarkt. Da brauch man keinen Kalender, nur dort vorbeischlendern. Und dank Flaschen-Günther und dem Hosenmann, brauche ich noch nicht mal eine Uhr.

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Friseurbesuch

Während man sich dem Diktat der Zeit beugt und heranwuchert, werden der Liste „Dinge, auf die ich keinen Bock hab´ , aber machen muß“ ständig neue Dinge hinzugefügt. Harmlos beginnt es noch mit Fensterputzen, Abwaschen und Steuern zahlen. Bei individuelleren Charakteren mag auch noch „Oberbekleidung tragen“ und „liebe Omis nicht vor den Bus schubsen“ darauf enthalten sein. Für mich persönlich steht sein einiger Zeit auch die Notwendigkeit einen vorzeigbaren Kopfputz auf der Rübe spazieren zu tragen darauf. Irgendwie konnte ich mit dem ganzen Konzept von Friseuren und ihrem Aufgabenbereich nämlich nie richtig warm werden.

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Schlauchomat

Aus Gründen, deren Ursprung und Umfang ich hier nicht weiter zu erörtern gedenke, bin ich in den Besitz eines neuen Mobiltelefones gelangt. Eigentlich wäre besagte Anschaffung nicht unbedingt notwendig gewesen, aber das schlanke Kerlchen hatte seine inneren Werte so aufreizend in Tabellenform gegossen, daß meinem inneren Nerd das Blut ganz mächtig gen Süden schoß und sich die daraus entstehende Aufregung zugleich zur Brieftasche aufmachte. In schon schmerzlichem Grade zwar, mußte das Bargeldsuspensorium erleichtert werden, aber die Verheißungen der multimedialen Zukunft hatten mir schon die Sinne venebelt. Sogar mit einer liebgewordenen Tradition ließ mich der zukünftige Fernsprecher brechen: Ich würde mir eine Micro-SIM-Karte besorgen müssen. Ein Unterfangen griechischer Epik, wie sich rasch zeigte.

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Arschbombe

Mir fehlt Konzentration. Es rumort im Oberstübchen. Alles fliegt wild durcheinander. Ein rechter Wortsalat bekleidet sich da in der Rübe mit Schwachsinnsdressing. Rübensalat, will man sagen. Ganz ungeordnet kullern die Gedanken durch die Murmel. Eiern bald hierhin, bald dahin. Wahnwitz ins Oval gebogen. Von hinten links brüllt einer rein: „Die Amsel furzt ins Waldgebiet, wo´s keiner riecht, noch hört, noch sieht. Selbst wenn, wär´ ihr das piepegal, sie flöge weiter, kannst mich mal!“. Mit solchen Zwischenrufen muß man sich hier rumschlagen. Irgendeiner lacht sogar darüber. Und das ohne Hopfen und Malz. Egal, beides ohnehin verloren. Da marschiert schon der nächste farbenfrohe Reigen an Gedanken an. Oha, das könnte schmerzhaft werden.

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Die Straße. Wieder einmal. Meine Heimat, mein Leben. Kilometer für Kilometer frisst sich mein klappriger Honda Civic voran. Mischt sich in den Verkehrsfluß. Im Radio die immer gleichen Lieder. Das beste der 70er, 80er und von vorgestern. Rod Stewart und Bonnie Tyler. Kilometer für Kilometer Monotonie. Ich sollte aufpassen, daß ich nicht wegnicke. Sekundenschlaf. Der lautlose Killer. Aber eigentlich ist diese Sorge unbegründet. Ich muß ohnehin ständig auf Zack sein. Das Leben als Handlungsreisender ist nämlich kein Zuckerschlecken. Wer pennt, der flennt. Ruckzuck angeschissen. Arschkarte. Dies gilt gerade und besonders für meine spezielle Branche.

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Der Raubzug

Mit Klipp, Klapp und Rotorenklang, schwebt unheildräu´nd geschwinde an, ein Helikopter, schwarz maskiert, die Birk´ dort er beinah frisiert. Schon zieht er seine Kreise enger, verstummt sind längst die Vogelsänger, und landet, lässt nicht unverschont, die Wies´ wo Captain Crazy wohnt. Der Rotor stellt´s rotieren ein, gemeint sind beide, groß und klein, und aufgeschoben seitlich wird, ´ne Tür die in das Inn´re führt. Gerad´ da heraus, erscheint sodann, als Umriß erst, ein schwarzer Mann, tritt auf das plattgewehte Gras, wo Flugluft deutlich Kreise fraß. Ein dunkler Anzug, Sonnenbrille, ein ernster Blick, ein fester Wille, am Handgelenke festgezurrt, ein Koffer, der „Geheimnis“ schnurrt. Die Augen rasch nach beiden Seiten, ob Schurken nicht durchs Dickicht schreiten, dann festen Schritts der Türe zu, mit Eile aber doch in Ruh´. Den Zeigefinger ausgestreckt und unters Klingelschild gestreckt, denn während oben „Crazy“ steht, es untenrum ums bimmeln geht. Ein kurzer Druck, ein Heidenlärm, so hatte man ´ne Klingel gern, dann warten ob auch Gehör auch findet, was rasselnd sich der Glock´ entwindet. Schon hört man drinnen Schritte nah´n, Pantoffelfuß auf Teppichbahn, ein Schatten auch am Türspion, da öffnet sich die Pforte schon.

„Ja bitte?“ fragt mit fragend Blick, ein Lockenwicklerkopf zurück, darunter rosa bad´ummantelt, es sich um Crazys Mutter handelt. „Tach Frau Crazy“, spricht der Gast, „ein Unterfangen größter Hast, g´hört unverzüglich adressiert, an ihren Sohn, da es pressiert.“ „Der schläft noch“, wirft die Mutter ein, verfällt dann prompt jedoch ins schrei´n, den Hals ins Innere gedreht, ein morgenmuffl´ger Ruf entsteht. „Das is für dich, so´n Anzugclown, nebst Helikopter, Black Hawk Down, beweg´ den Arsch aus Kissen zackig, mir ist´s egal ob du noch nackig.“ Ein Räuspern von der Fußmatt´seite, „Tschuld´gung, doch ich unterbreite, auch gleich den Pavian zu hol´n, denn das spart Zeit, die glüht wie Kohl´n“. Die Frau Mamma verdreht die Augen und angenervt hört man sie schnauben, „Gib Gummi eure Durchlaucht und, ich rede fuss´lig mir den Mund, schlepp´ auch den Aff´n gleich mit an, auch er soll Neues hier erfahr´n“. Mit Mißmut blickt sie auf den Gast, der ängstlich seinen Koffer fasst, „Die komm´n gleich“ sprichts und wendet sich, entschlurft ins Innere neuerlich. Auf einmal Zeter, Mordio, Alarmgeheul wie Jericho, ein Blitz, ein Licht, ein Paukenklang, so stürmen uns´re Helden an. Zwar Kissenfalten eingeprägt, wo rosig´ Wangenglanz sonst steht, und wilde, nächtlich´ Haarfrisuren, doch eines zeitigt keine Spuren. Müdigkeit sucht man vergeblich, im Heldenjob ist das recht löblich, agil und voller Tatendrang, tritt man an den Besucher ran. „Captain Crazy, stets zur Stelle, ob Giftgaskrieg, Tsunamiwelle“, „Sein treuer Sidekick, Pavian, was steht denn an, ist schon getan!“. Und pralle Muskeln unterstreichen, die beiden hier, geh´n über Leichen, die Fäuste in die Hüften stemmend, und weder Angst noch Rückzug kennend. Verdattert schaut der Anzugmann, verzückt auch, sich das Schauspiel an, vergisst beinah warum er hier, bei soviel Glanze in der Tür. Er wischt sich schnell den träumend´ Blick, für später ins Gehirn zurück, postiert sich aufrecht, und beginnt „Meine Herr´n, die Zeit verrinnt! ´Ne walfischgroße Sorge bringt, ein Schatten der die Welt umringt, mich heute morgen zu euch beiden, eilt euch, da Unschuld´ge leiden.“

Gespitzt die Ohr´n, in Augen Glanz, ein wenig Schlaf auch, dennoch ganz, erwartungsfroh und einsatzklar „Wo soll´n wir hin, sind praktisch da!“. Der Gast ist baff, die scherzen nicht, Gefahr und Tod im Angesicht, in Fleisch gezwängt und aufgefahr´n, der Captain und sein Pavian. Er nimmt vom Handgelenke ab, den Koffer der da hing recht schlapp, zieht aus seinem Innenleben, ´ne Akte, will sie übergeben. „Top Secret“ ist da aufgedruckt, was beide Helden wenig juckt, sie wehren ab und machen klar, zum Lesen, da sind and´re da. „Pack´ ganz schnell deine Zettel ein, du laberst hier, währ´nd sonstwo schrei´n, Rentnerwelpen, Katzenkinder, sturmgeplagte, hungernd´ Inder. Sprich einfach aus, wo man uns braucht, schon sind ganz flugs wir abgeraucht, zerschmettern Schurkenstaaten, Killer, also heb´ an, was ist´s, was will er?“. „Wow!“ entfährt´s dem Aktenmann, schon ist´s Papier zurück getan, und mit staatsgetrag´ner Stimme, „Mein Herr´n, jetz´ kommt das Schlimme. Ein fieser Typ, ein Bösewicht, vielmehr genau´res weiß man nicht, hat angefang´n und das weltweit, ´nen Diebeszug vor ein´ger Zeit. Mit Hinterlist und skrupellos, mit Hass und Häme selten groß, gepeitscht von schier unfassbar Ragen, beklaut er Ananasplantagen. Fast alle Früchte schon gestohlen, um sich ein Monopol zu holen, der miese Plan, so scheint´s, dabei, ein Preisanstieg bei Toast Hawaii. Und auch die Pizza gleicher Art, vom Scheusal wird nicht ausgespart, nein sparen wird hier niemand mehr, drum schickt die UNO mich heut´ her. Der Schurke feiert fette Margen, mit Diebesgut von den Plantagen, und wir sind hilflos, essen gar, ´nen Toast mit Namen Angola. Doch Hirse ist nicht Ananas, so macht das Leben keinen Spaß, drum bitten wir, ja flehen bald, beendet diese Fruchtgewalt!“.

Ein kühler Kennerblick verrät, ein Zahnrad sich ums and´re dreht, in Captain Crazys Oberstuben, wie beizukomm´n dem bösen Buben. Versonnen stiert er in den Morgen, auf seinen Schultern Weltensorgen, an seiner Seit´ der Pavian, fängt unterdes das Lausen an. Mit Messern kann man Spannung schneiden, wie lang soll der Planet noch leiden, was wird entschieden, was getan, ganz zittrig ist der Anzugmann. Ganz plötzlich zuckt ein klares Funzeln, zwischen Crazys Augenrunzeln, ein Entschluß scheint nun beschlossen, ein Geistesblitz durch ihn geschossen. „Ihr habt den Richt´gen angesprochen, die Suppe der Justiz zu kochen, zu backen, besser formuliert, die Pizza die hier int´ressiert. Und mopsen, klauen, diebesstehlen, das braucht man sicher nicht verhehlen, gehör´n bestraft mit scharfer Klinge, doch anders liegen hier die Dinge. Zum einen schmeckt ´ne Ananas, als ob die Zung´ ´nen Fuß anfasst, nach Leichnam, bitter auch und sauer, Geschmack wie Fürze, Hagelschauer. Doch nicht genug, denn obendrein, will nun Belag sie auch noch sein, will Schinken und auch  Käse schänden, mit ihren faulig, fruchtig Händen. Ich schmeck´ doch süß, so zwitschert sie, und bin auch rund wie Salamie, was würde also näher liegen, als auf die Pizza mich zu schieben. Nein, ruf ich, und Doppel-Nein, dies´ Gräuel soll beendet sein. Anstatt in frühster Nacht mich wecken, ihr solltet eure Hand ausstrecken, und Dankbarkeit entgegenbringen, nur Genius konnte dies gelingen. Die Plage von der Welt zu nehmen, der Ananas Gewalt zu zähmen, dem Hussein der Früchtewelt, mal ganz galant das Bein gestellt.“. Schon knallt die Tür, Gespräch beendet, schulterzuckend sich nun wendet, der Anzugmann dem Flieger zu, aus Anfangshast wird hilflos Ruh´. Bar jeder Hoffnung geht´s zurück, vielleicht hat ja ein and´rer Glück, doch dieser Held und sein Kumpan, vereit´ln nicht den üblen Plan.

Im Hausesinnern unterdessen, wird schmatzend lachend nun gegessen. „Die hab´n wir sauber dran gekriegt, wohl schon sich mancher Balken biegt. Zu doof im Ansatz nur zu wissen, ihr´n Namen in den Schnee zu pissen!“. Mit vollen Backen wird gelacht, die Mutti hat das Mahl gebracht, als Mahlzeit wurde vorbereitet, was schon seit Wochen sie begleitet. Am Morgen, Mittag, Abend nur, ganz frisch gepflückt aus der Natur, man weiß´s schon, wem erzähl´ ich das, die beiden schlürfen Ananas.