positiv bleiben

In halber Nacht stehe ich und schaue den Birken beim Schlummern zu. Der anbrechende Morgen liegt wie ein glühendes Bolerojäckchen auf ihren Schultern. In meinem Kopf ist noch Sophokles. In gesammelten Werken lungert der auf dem Abort herum, um längere Aufenthalte erquicklicher zu gestalten. „Wer nicht mit Worten spart, sagt manches, was erfreut, wohl auch, was ärgert oder rührt, und bringt hierdurch den Schweigenden dazu, dass er sein Schweigen bricht.“, lässt er Antigone feststellen. Fast scheint es, als ob der neue Tag der literarischen Griechin zustimmen würde. Scheint, als ob er mir mit Luft und Duft und frischem Licht etwas zu sagen hätte. Ich breche also mein betretenes Schweigen, räuspere mich kurz und knalle der Welt ein etwas zu lautes „Moin“ vor den Bregen.

weiterlesen »

Schlaflos

Eben noch.
Hellblauer Himmel
und Zuckerwattewolken.
Nur ein paar. Hier und da.
Wie von Bob Ross gemalt.
Happy little clouds.

weiterlesen »

Der Fokus

Kaltes Neonlicht hüllt das Klo in eine heimelige Bahnhofsatmosphäre. Ich starre auf die Reflektionen in den eierschalenfarbenen Fliesen und weiß nicht, ob es flackert oder ich langsam das Augenlicht verliere. Blinzelnd zucken die Gedanken im Takt mit und springen von einem Thema zum anderen. Den Augen gleich, kaum in der Lage Fokus zu erlangen. Erinnerung mischt sich mit Phantasie und ich muß schmunzeln. Wenn es nur so gewesen wäre.

weiterlesen »

Das kreative System

Immer später wird es hell. Man riecht den Herbst schon nahen. Nervös stromern die Eichhörnchen am Blattwerk entlang und legen Vorräte an. Der Wind pfeift ihnen kühl und gleichgültig durchs Gefieder. Auch mir weht er klar um die Nase, während ich in der Dämmerung stehe und still die erste Zigarette des Tages verbrenne. Ich liebe diese Stunden, wenn ich mit der Welt allein bin; würde sie sogar noch mehr lieben, wenn ich die Welt noch sehen könnte. Aber damit ist es wohl erst einmal vorbei.

weiterlesen »

Neuer Mai

Kaum suppt ein erstes sonnenorange in den graublauen Morgenhimmel, geht es wieder los. Aus allen Ecken und Enden finden sie sich ein und beginnen im munteren Durcheinander die Nacht zum Tag zu machen. Amsel, Drossel, Fink und Star. Vermutlich. Ganz sicher bin ich mir nämlich nicht. Eigentlich bin ich mir sogar gänzlich unsicher. Denn was hier an Luftakrobaten aus den Wipfeln schalmeit, zeigt meinen ornithologischen Kenntnissen auf schmerzhafte Weise ihre Grenzen auf. Hätte ich mal in der vierten Klasse besser aufgepasst.

weiterlesen »

Umzug

Man muß kein Raketenchirurg sein, um festzustellen: Umzüge sind scheiße! All das ein- und ausgepacke, ab- und angeschraube und hoch- und runtergeschleppe. Der ganze Lärm und Staub wenn Löcher für Lampen und Bilder und Lautsprecher gebohrt werden müssen. Das ziehen und schieben und zerren und drücken. Und kaum denkt man, nun sei es geschafft, beginnt auch schon der Marathon der Adressänderungsmitteilungen und Postweiterleitungen. Zum Glück gibt es zwischendurch natürlich auch ein paar Lichtblicke, leider weiß man davon aber am Anfang noch nichts.

weiterlesen »

Kaum glüht sich ein erster orange-güldener Atemzug durch das dunkelblau der Nacht, quietscht und zwitschert es auch schon im Geäst, daß es eine wahre Freude ist. Da Amsel, Drossel, Fink und Startet man doch jauchzend beschwingt in den Morgen. Da will man den miesen Tätern, den Missetätern, doch einmal verzeihen, daß ihre Hobbylandschaft recht karg wieder aufgeforstet wurde. Außer herum fliegen und morgens, ja beinahe will man nachts sagen, alle aus dem Bett zu brüllen ist da nicht viel. Heute bin ich ihnen ohnehin für ihren Einsatz dankbar. Husch, husch, raus aus den Federn. Der letzte Tag in bezahlter Arbeitslosigkeit ist angebrochen. Im Morgengrauen von morgen wartet schon das Grauen. Der Streß. Die Hektik. Da heißt es heute noch hektisch jeden Tropfen Freiheit aus den verbleibenden Stunden zu wringen.

weiterlesen »