Sternzeichen: Arschbombe

Arschbombe

Mir fehlt Konzentration. Es rumort im Oberstübchen. Alles fliegt wild durcheinander. Ein rechter Wortsalat bekleidet sich da in der Rübe mit Schwachsinnsdressing. Rübensalat, will man sagen. Ganz ungeordnet kullern die Gedanken durch die Murmel. Eiern bald hierhin, bald dahin. Wahnwitz ins Oval gebogen. Von hinten links brüllt einer rein: „Die Amsel furzt ins Waldgebiet, wo´s keiner riecht, noch hört, noch sieht. Selbst wenn, wär´ ihr das piepegal, sie flöge weiter, kannst mich mal!“. Mit solchen Zwischenrufen muß man sich hier rumschlagen. Irgendeiner lacht sogar darüber. Und das ohne Hopfen und Malz. Egal, beides ohnehin verloren. Da marschiert schon der nächste farbenfrohe Reigen an Gedanken an. Oha, das könnte schmerzhaft werden.

Puppenlustig machen mich die Umnachteten zu ihrer Marionette. Licht aus in der Hirse. Neanderthalener Fackelschein. „Ach du meine Güte, wie sieht die denn aus?“, fragt ein stoppelig rasierter Geistesblitz, der aus dem linken Auge nach draußen lugt. „Beine wie Fleischwürste in Maximalbelastungsstretch. Oberschenkel, die soviel Reibung produzieren, daß wir froh sein können, wenn kein Feuer ausbricht. Und dieser schwankende Gang der Beleibten. Wie eine Pyramide mit Kreisgrundfläche kegelt die hier rum. Nur fähig geradeaus zu gehen, weil sie einen Kinderwagen schiebt. Aber, moment mal, wer macht sowas eigentlich ein Kind? Das Gesicht eine mutige Mischung aus drei Tage Regenwetter und mißglückter Rekonstruktionschirurgie. Knusprig ausgebackene Fettfrisur und den Modegeschmack einer erblindeten Schnapsdrossel. War wohl vergällt der Stoff.“. Ganz entsetzt höre ich mir die Einschätzung des Erblickten an. Ganz schnell muß ich diese Gedanken wieder vergessen. Manchmal denkt man nämlich so Sachen, die man lieber hurtig wieder von der inneren Leinwand kratzt. Ganz fix den Radiergummi geschwungen und „Ekelhafte Korpulentenkopulation“ entfernt. Und sei es nur, um bei einem plötzlichen Schlag auf den Kopf und anschließendem Wachkoma nicht gerade diesen letzten Satz immer wieder auf den trockenen Lippen zu haben und die tränenüberströmten Angehörigen zusätzlich zu verwirren. So bin ich. Ein Menschenfreund.

Mächtig stolz tätschele ich mir mental die Schulter. Da rast schon aus dem Dunkel des Hirninneren ein holpriges Hirngespinst mit Dr. Fu Manchu-Bärtchen an. „Ich bin Arschtrologe“, knistert er sich wortgewandt lispelnd über die Schleimhäute, „und heute steht Uranus in Konjunktion mit dem Sternzeichen Arschbombe. Das heißt, uns steht ein heilsamer Schock bevor. Zuerst haben wir das Gefühl wir könnten fliegen und gebärden uns auch entsprechend, woraufhin plötzlich dicke Luft herrscht. So dick wie Wasser. Atmen praktisch chancenlos. Außerdem begleitet von einem prächtigen Vibrationsalarm in den Bandscheiben. Wackelpudding 2.0.“. Fassungslos starre ich durch ihn hindurch. Gebe vor nicht verstanden zu haben. „Obacht!“, ruft er mit ausgestrecktem, knochigen Zeigefinger. „Obacht! Vorsicht ist geboten.“. In Windeseile ist entschieden seinen Worten keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Ich kenne den Typen ja auch gar nicht. Weiß gar nicht wo er herkommt. Und auf welcher Dorfschule er seine astronomischen Kenntnisse erworben hat. Womöglich habe ich es gar mit einem Scharlatan zu tun, der Pluto und Mars für den Hund von Micky Maus und einen Schokoriegel hält. Nein, nein, derart verarschen lasse ich mich nicht. Nicht schon wieder. Da halte ich mich lieber an meinen neuen besten Freund unter den Zerebralkrankheiten. Den mit dem wohlklingenden Namen. Gar Nichts. Er ist der einzige, den ich noch verstehe. Und er kann so formvollendet Konfetti werfen, während er sumerische Lyrik rezitiert. Ein Tausendsassa. Ein Pfundskerl. Ein Siegertyp.

Manchmal wäre ich auch gerne so. Ganz hohl und aalglatt. Unbeeindruckt von den eindrücklichen Emotionen, die der Ausdruck der Anderen produziert. „Was ich empfinde, wenn du mir das so erklärst? Tja, da ist der Name Programm: Gar Nichts.“. Doch das sind Wunschträume, Phantasien, Illusionen. Und mit denen bin ich ohnehin schon bis unter die Hutkrempe angefüllt. Wenn ich mal keinen Hut trage sogar noch mehr. Da tanzt der Firlefanz Charleston zwischen den Brillenbügelhaltern. Orchestrales Brimborium in erstaunlicher Fehlbesetzung. Als hätte man den Synapsen falsche Landkarten ausgehändigt. Oder nicht bedacht, das sie gar keine Karten lesen können. So ganz ohne Kompass. Hier macht jeder was er will. Macht allen anderen ein X für ein U vor. Egal wo im Atlas die eigene Heimat mit einem X markiert war. Verwirrung als Grundstruktur. Bar jeder Möglichkeit die Ideen in verständliche Sätze zu zwängen. Jeder Hirnstrom Opfer einer Springflut. Und da sind das Herz und seine hormonellen Gaunereien noch gar nicht eingerechnet. Geht auch gar nicht. Unterm Strich kommst du da einzig auf rechten Schwachsinn. Wenn das Blut wie im Rausch durch den Körper rauscht. Die Augen ganz weit und voller Träume ins Nichts stieren. Die Nebenhoden mit Bullenhormonen angefüllt zu sein scheinen. Der Imperativ der Arterhaltung hübsch ins rosane Tutu gezwängt. „Ich will knattern“ charmant emotional glasiert. So daß man selbst nicht einmal merkt woher der Wind weht. Trickreich wird man durch Herzschlag und Sehnen und Vermissen und Eifersucht abgelenkt, während im Erdgeschoß die Torpedos geladen werden. Zusätzliches Wirrsal.

Wo doch in der Zentrale ohnehin schon nur ein dusseliges Grüppchen besoffener Lotsen logiert. Man mogelt sich halt so durch. Blättert hastig in den dicken Bänden voller Erinnerungen, in denen die Bilder schon ganz ausgebleicht sind. Manche von frecher Kinderhand ausgemalt. Auch über den Rand. Ich war ein Freigeist. Nun jagen mich die Geister der Vergangenheit bisweilen. Stellen Prognosen und Vermutungen anhand ihrer Lebensgeschichte auf. Trüben dieserart die Entscheidungsfindung. Wirbeln alles wild durcheinander. So daß es rumort im Oberstübchen. Und ständig irgendeiner von den billigen Plätzen etwas hereinruft. „Ich glaube wir haben Tinnitus in den Augen!“. „Wie kommste darauf?“. „Ich seh´ nur Pfeifen“. Und bei so etwas soll man sich konzentrieren.

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