Egal

Egal

Ich bin dir egal. Oder? Kümmert dich, was ich denke? Was ich empfinde? Findest du meine Gegenwart erbaulich? Unglaublich, daß ich derartiges erfragen muß. Hast du doch neulich meine Hand noch derart fest gehalten, als gäbe es einen Orden dafür zu gewinnen. Und ich dachte ich könnte dich für mich erringen. Weil du für jeden ein Gewinn wärst. Obwohl ich manchmal nach Worten ringe, weil du mich sprachlos machst. Weil du mich dir zu Willen machst. Willfährig gleiten meine Gedanken an deinen Kurven entlang. Schleudertrauma im Wortschatz.

Kaum fähig in Buchstaben zu fassen, welch wilder Zukunftsglauben in mir aufkeimt. Kaum in der Lage Bruchbuden zu beschreiben, obwohl Worte wie Paläste nötig sind. Sätze wie Kathedralen. Kapitel wie Wolkenkratzer. Luftschlösser indes. Fade Erwartungen. Wir können kaum in Blaupausen hausen. Müssen Rücksicht nehmen auf die Realität. Dabei schafft das Schwelgen im Elysium, daß ich auch mich endlich fühle. Ich fühle mich unendlich. Unkenntlich scheint das für dich. Schert dich nicht. Ist dir scheinbar egal. Oder?

Ich weiß nicht, ob ich nur eine Fußnote in deiner Geschichte bin. Oder werde. Oder bleibe. Was bleibt mir anderes übrig, als zu grübeln. Zu raten und mutzumaßen. Bin wohl nicht mutig genug zu fragen. Aus Angst, das Schlimmste bestätigt zu sehen. Dann lieber die Augen hoffnungsvoll verschließen. Den Schlüssel in Gebieten suchen, auf denen ich mich eine Kapazität wähne.

An wenigen, aber gewitzten Nachrichten feilen. Mir die Worte solange selbst im Mund rumdrehen, bis sie fließen. Sätze designen, die man atmen lassen kann. Die sich schwebend im Raum verteilen. Das, was ich immer schon mache. Gefühlt schon seit der Zeit, als der Mond noch gar keinen Namen hatte, weil man nicht wußte, ob er überhaupt regelmäßig wiederkehren würde und es daher Sinn machte ihn irgendwie zu nennen. Ewig. Ewig ich. Gefangen in der Tollpatschigkeit meines Körpers.

Einst ein Tempel. Mein Verstand der Altar. Immer wieder gebrandschatzt von diesem oder jenem Stadtstaat. Neu errichtet auf den alten Trümmern. Immer ein wenig besser als vorher. Nicht gut genug für dich. Meine gewitzten Nachrichten sind dir egal. Oder?

Dabei lachst du so frei und klar. Selbst wenn ich nur eine mittelmäßige Posse reiße. Klar, daß mich das frei macht von Zweifeln und Sorgen. Lichtblick. Hoffnungsschimmer. Wahnvorstellung. Weil ich mir in meinem Wahn alles vorstellen kann. Nur nicht, daß du nur freundlich erscheinen willst. Anorexiesympathie. Abgemagerte Empathie. In Wahrheit emotional nur Haut und Knochen. Bis auf die Knochen blamierte ich mich, würde man meine Blindheit für diese Vorgänge betrachten. Unfähig den dünnen Firnis zu durchschauen. Ein dickes Ding.

Weil du nette kleine Dinge sagst. Die ich glauben will, ja muß. Weil du zwinkerst und lächelst und mich in die Seite knuffst. Als ob es dir nicht egal wäre. Dabei scheine ich in Wirklichkeit ein Plagegeist zu sein. Der dich aufhält und abhält. Von diesem und jenem. Eine Nervensäge, die Aufmerksamkeit fordert. Oder wenigstens ein schlechtes Gewissen, wenn letztere nicht zu entbehren ist. Ein Ärgernis, dem kaum beizukommen ist. Kein Bekannter oder Freund oder mehr. Hinderlich. Im besten Falle. Egal, im schlechtesten. Oder?

Das alles wäre gar nicht so schlimm, spielten wir nur mit offenen Karten. Und dabei schließe ich sicher ein, daß ich meine Absichten und Ansichten bisweilen vielleicht etwas zu verklausuliert kundgetan habe. Du aber, sagst praktisch nichts. Immer schön im flachen Wasser bleiben, solange es für dich gut läuft. Seichte Sorglosigkeiten sprechen. Im Notfall rasch ans Ufer. Immer unklar bleibend. Alle Möglichkeiten offen lassen. Auf allen Hochzeiten tanzen. Mal sehen, wo die Braut ausfällt. Ausfällig könnte ich da mittlerweile werden.

Nur weil du nicht die üblichen Spermizidvisagen der ortsansässigen Kleinstadtsirenen teilst, kannst du Menschen nicht so behandeln. Geringschätzig, abwertend, gleichgültig. Nur weil deine Kurven eher verwegenen Serpentinen gleichen, als dem was es an den algenverseuchten Schlammtümpeln der Umgebung zu erspähen gibt, hast du noch nicht das Recht dich derart zu gerieren. Verächtlich, herabsetzend, gefühllos. Nur weil dein Gesicht nicht aussieht wie eine Grützwurst mit Schlaganfall, löst dein Anblick noch nicht spontan willenlose Paarungsbereitschaft aus. Jedenfalls meistens.

So viele Stunden habe ich überlegt und sinniert. Bin zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt gependelt. Wollte schlau aus dir werden. Habe geprüft und abgewägt und geplant. Alles sinnlos. Alles sinnlose Zeitverschwendung. Weil du eine Granitchili bist. Scharf, aber man beisst sich die Zähne aus. Weil ich allein niemals die Lösung finden werde. Und weil es dir egal ist. Oder? Ich habe keine Lust mehr zu grübeln. Meine Zeit zu investieren. Viel Spaß in den Untiefen der Unentschlossenheit. Vielleicht findet sich ja ein Spielgefährte, dessen Befinden dich kümmert. Ich bin raus. Denn mittlerweile ist es mir egal.

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