Die Veränderungen

Veränderungen

Merkwürdige Zeiten sind das gerade. Alles ist im Wandel begriffen. So rasant, daß man kaum Zeit hat innezuhalten und durchzuatmen. Mentale Photos zu machen. Und während die Zukunft allmählich in die Gegenwart fließt, ändert sich auch noch der Alltag, das Banale. Voller Überschwang, ob der gelösten Fesseln, taumelt man durch´s Jetzt und kann kaum die Ursprünge des emotionalen Chaos ergründen.

Trennungsschmerz und Wehmut sind mit Lachen und Lächeln und Herzschlag maskiert. Ungewißheit und Zukunftsangst verschleiern sich mit Vorfreude und Erwartung. Ein wilder Mix. Raue See bei schönstem Sonnenstand. Man weiß gar nicht, was man denken soll. Was man zuerst denken soll. Pflichtbewußt wird die Checkliste abgehakt, während man wünscht sie wäre länger. Weil man wissen will wie es weitergeht. Weil sich plötzlich Möglichkeiten entpuppen. Weil sich das Gefüge plötzlich in wunderschönem Wirrwarr neu erfindet. Neugierig und in gespannter Erwartung zählt man dennoch die Tage. Weil Veränderung hier auch Verbesserung heißen soll. Weil man wieder lernen kann. Weil Freiheit wartet.

Die Untiefen und die Absurditäten haben uns verschweißt. Zusammengeschweißt. Wie bei einem Klettband. Welches nun nur mit Krach zu lockern ist. Wie wir dem Wahnsinn lachend gemeinsam die Stirn geboten haben. Uns gegenseitig stützend und unterstützend. Stets füreinander da, wenn einer drohte aus Verzweiflung in Raserei auszubrechen. Rede und Gegenrede bald auf infantilem Niveau, voller Kichern und Glucksen und Kopfschütteln, bald inspirierend und lehrend und formend. Wie neuerlich alles aus den Fugen gerät, obwohl es doch im ersten Anscheine so gleich wirkt. Sich innerlich erneut und dabei verbessert. Das Herz irgendwie anders schlägt und man nicht genau weiß warum. Weil sich alles vermengt. Impulse, die das Leben wieder hervorlocken. Die Strukturen neu beleben. Mit Lachen die Stagnation einschmelzen. Die Zukunft auf neue Füße stellen. Ihr ein Überraschungsmoment beimengen, so daß sich zum Vermissen auch Wissensdurst gesellt. Wie wird es weitergehen? Was werde ich verpassen? Auf welche Art hätte ich die Geschicke beeinflußen können? War es zu egoistisch den persönlichen Weg über Teamgeist, Freundschaft, Liebe zu stellen?

Ob dergleichen auch anderenorts wartet, weiß man nicht. Oder kaum. Vermutet nur in die leere Zukunft hinein. Chancen und Möglichkeiten sind dort allemal. Neue, kongruentere Aufgaben. Aber auch ungewißere Abläufe, unbekannte Ablaufe vielmehr. Das bringen Veränderungen wohl so mit sich. Das man sich dem Ungewißen aussetzt, um daran zu wachsen. Sich zu entwickeln. Persönlich und professionell weiter zu kommen. Mit unklarem Ausgang. Entgegen aller Charakterzüge, die so risikoavers in ihren festen Strukturen verweilen wollen. Raus aus der comfort zone. In froher Erwartung und trotzdem tausend Fragen und Fragezeichen.

So ticken die letzten Tage also mit einem lachenden und einem weinenden Auge dahin. Mit sinusförmigen Stimmungsschwankungen und passendem Puls. Mit verwirrtem Verstand, der zwischen Tändelei und Hoffnung und Wehmut flackert. Und die finalen Sekunden rücken immer näher. Wenn ich die richtigen Worte finden muß. Bestimmt vorher schon tausend Mal durchdacht habe, was zu sagen ist, und doch alles vergesse oder falsch formuliere. Wenn wichtigstes unausgesprochen bleibt. Überdröhnt vom wilden Herzschlag. Welche Ehre es mir war als kleines Zahnrad an, zugegebenmaßen, halbwegs essentieller Position die Sache mit euch am Laufen zu halten. Wie kluge Worte mich zum Nachdenken brachten und mit Dankbarkeit erfüllten. Neue Sichtweisen den Blick schärften. Wie ein nicht selbstverständlicher Zusammenhalt alle stärker machte. Wie leid es mir tut manchmal zerrissen zwischen den Anspannungen unwirsch und barsch und unhöflich gewesen zu sein. Wie ich mich manchmal zu wichtig genommen habe, zwischen all dem Telefongeläute und Tastengeklimper. Trotz so kurzer Zeit scheint es als ob man manche schon ein Leben lang kennt. Für andere war die Zeit viel zu kurz, ob wohl es scheint, als ob sie dein Leben schon lang kennen. Dich lächelnd vorwärts bringen könnten. So sehr wünsche ich euch neuerliche Motivation. Irgendeinen Grund euch aufzuraffen und Großes zu vollbringen. Auch ohne mich. Obwohl ich im Geiste dabei sein werde. Euch einen formidablen Startblock hinterlassen will.

Naja, emotional aufrüttelnde Brandreden sind nicht so mein Ding. Weil ich obenrum etwas unstrukturiert und mittig rum zu unsicher bin. Schon schwingt eine Angst mit die letzten Momente zu vergeigen. Sprachlos zu sein oder nur mittelmäßige Kalauer auf der Pfanne zu haben. Wie meistens. Aber vermutlich ist das einfach nur wieder Überinterpretation und ihr hattet immer Recht, als ihr mir nahelegtet, ich hätte „zu viel Phantasie“. Wenigstens hatten wir dadurch immer etwas zu Lachen. Und das ist das größte Geschenk und die schönste Erinnerung, die ich mitnehmen werde: Das Lachen. Gehabt euch wohl.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.