Die Schweinereien

schweinereien

„Der Worte sind genug gewechselt, nun lasst uns endlich Schwarte seh´n!“, rülpste der Eber mehr als daß er sprach. Der letzte Apfelkorn/Fanta war ihm wohl zu Kopf gestiegen und er war, mit all der Rationalität, welche Betrunkenen innewohnt, entschlossen der Gesprächsphase seiner Beischlafanbahnung nun eine physische Ebene hinzuzufügen. Schon schwang er mit leidlicher Akkuratesse seinen borstigen Arm nach vorn und behufte unbeholfen den Schinken der Dialogpartnerin. „Du Schwein!“, schallte es begleitmusizierend zu einer sauber ausgeführten Schweineohrfeige. Also das hatte er sich irgendwie auch anders vorgestellt.

Nichtsdestoweniger glaubte er in der kraftvoll ausgeführten Ablehnungsgeste eine unterschwellige Einwilligung zu vernehmen. Ihre Reaktion schien mehr auf sozial erwarteten Normen, schließlich sah der halbe Saustall zu, denn auf innerer Überzeugung zu beruhen. Ein Sekundenbruchteillächeln schien ihm Recht zu geben. „Nun hab dich mal nicht so, mein Steckdosennäschen. Schließlich verstehen wir uns doch ganz prächtig.“, lallte er ebenso liebes- wie korntrunken in ihre ungefähre Richtung, „Warum also Zeit verschwenden, wenn der Gute ist schon da?“. Ein Moment, der gleichermaßen von Nachsinnen wie Abscheu ausstaffiert war, durchglitt ihr runzeliges Gesicht. „Wenn du nur eine suchst, die dir den Schwanz entringelt, bist du bei mir aber an der ganz falschen Adresse. Empfänger unbekannt verzogen. Du Ferkel!“. Mit einem halbherzigen Schubser gegen seine Rippchen versuchte sie ihren Worten eine körperliche Entsprechung beizumengen. Mit unerwarteter Rasanz griff der Eber jedoch nach ihrem Vorderhuf und umschloss ihn beinahe sanft mit seinem. „Ähh, das muß jetzt falsch rüber gekommen sein.“, wußte er schlagkräftig zu entgegnen. „Ich mag dich wirklich. In echt, und so“.

Und beinahe hätte sie seinem verträumten, oder sollte man sagen glasigen, Blick auch Glauben geschenkt, wäre er nicht zeitgleich auf ihr überraschend raumgreifendes Dekolleté hinabgesunken. „Ich hab auch Augen du Arsch“, grunzte sie ihn also an. In Zeitlupe begann sich diese Verbalinformation in eine körperliche Reaktion seinerseits umzuwandeln. Blöd war für das suffgetränkte Borstenvieh nur, daß sein Gegenüber gleich sechs Brustpaare in zurschaustellender Push-Up-Manier zusammengegürtet hatte. So schwang sich sein, kaum noch des dreidimensionalen mächtiges Augenwerk, nun also gemächlich von unten nach oben von Balkon zu Balkon, bis er nach einer unendlichen scheinenden Viertelminute endlich ihrem vorwurfsvollen Blick mit einem lüstern leeren begegnete. „Ran an den Speck!“ schrie sein Hirn und „Äußerst liebreizende Augen, in der Tat.“ lallte seine träge Zunge. „Du mußt nicht denken, daß ich dich nur wegen der Aussicht auf Schweinereien den ganzen Abend zugesülzt habe. Vier spendierte Trüffelmartini inklusive. Ich mag dich auch als, ähh, Persönlichkeit. Als geile Sau mit jeder Menge, wenn auch gut versteckten, inneren Werten!“

Da klarte ihr wütender Blick aber holterdipolter auf. Ja es war Morgenluft zu wittern. „Echt jetzt?“ fragte sie mit quietschend naiver Stimme. „Das hast du jetzt aber schön gesagt.“ Langsam schob sie ihm den wuchtigen Kopf mit gespitztem Rüssel entgegen während sich ihre Lider senkten. „Jackpot!“ knarzte es in seinem Denkkasten und er tat es ihr gleich. Sabbernd und schleckend nahm also grunzend ein Unheil seinen Anfang, welches vier Monate später in einer recht spektakulären Mehrlingsgeburt seinen vorläufigen Höhepunkt finden sollte. Und alle lebten fortan schweineglücklich und schlammbadend dahin. Und da sie dann gestorben sind, essen wir sie heute.

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