Die Gedankengänge

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Ab und an ist es lohnenswert in den Gedankengängen nach dem Rechten zu sehen. Damit allzu aberwitzige Absonderlichkeiten nicht entkommen können, habe ich dort schon vor einiger Zeit einen Türsteher aufgestellt. „Was ist die Losung?“, fragt er mich mit steinerner Miene. „Wildtierscheiße“, spitzfinde ich zurück. „Korrekt, tritt ein“.

Hier im Inneren sieht die Welt schon anders aus. Schon nach wenigen Schritten wird die ungreifbare Größe dieser Hallen klar. Gedanken, Gefühle, Gemischtes. Zahlreich und mannigfaltig. Wie ein Kind laufe ich aufgeregt und scheinbar ziellos umher. „Warum? Warum?“ hinterfrage ich alles und spurte schon weiter ohne die Antwort zu hören. „Wer ist eigentlich dieser Hans?“, fragt dieses kindliche Ich mich. „Welcher Hans?“. „Na der, nach dem die ganzen Hansestädte benannt sind!“, lachend stürmt das Kind im Manne von dannen. Sein Puls flackert im Takte des Gelächters. Sein Leben ist aufregend und mit einem Hauch von sicherer Gefahr überzogen. Wie freihändiges Fahrradfahren.

Mein Leben ist eher verwirrend. Jedesmal, wenn man glaubt es verstanden zu haben, zeigt sich, daß man doch nur ein Eleve ist. Hefte auf, Tägliche Übung. Eigentlich noch gar nichts kapiert. In diesen Momenten kann man rasch die Zuversicht in eine so sicher geglaubte Zukunft verlieren. Kann beginnen anzunehmen, daß sie auch nicht anders wird als die Vergangenheit. Voller Fragen und Lügen. Da kann man schon Angst bekommen. Und kopflos werden. Zu überraschend auftretender Spontaneität neigen. Wie die Feuerwehr. Hoch, Zack, los! Die Hose steckt schon in den Stiefeln. Nur nicht stolpern.

Viel zu viel Einfluß haben die Hirnwindungen auf alles darunter. Psychosomatautomat. Enttäuschung oder Traurigkeit oder Schlaflosigkeit können den ganzen Körper lahm legen. Nutzlos machen. Bis auf ein paar Grundfunktionen. Mit großer Anstrengung gelingt es zwar sich dagegen zu stemmen, den Anschein von Alltäglichkeit zu erhalten, doch die Mühen zersetzen die Substanz. „Aber du sprudelst doch trotzdem vor wüsten Witzigkeiten und brillanten Bonmots?“, entgegnet man mir. „Alles Maskerade.“, weiß ich zu erwidern, „Mummenschanz, Gaukelspiel, Blendwerk.“ Selbsterhalt. Äußerlich auf dem Zenit, während der innere Diskurs schon auf dem Nadir stattfindet. Kein Gag jagt den nächsten.

Mit derlei Befindlichkeiten ist nur schwer ein Staat zu machen. Ruckzuck pfeifen die Backen. Klitsch, klatsch. Zusammenreißen, Junge! Das Hypothetische auch mal einen guten Mann sein lassen. Nicht ständig abwägen und überlegen und vermuten und vorausplanen. Vor beinahe zwanzig Jahren hat man dir schon geraten mehr auf dein Bauchgefühl zu hören. Eingebrannte, wunderschöne Erinnerung. Ich gebe ihr eine weitere Dimension und lasse vergessen geglaubte Musik durch die Kopfhörer wabern. Ein druckvoller Bass, der mir genüsslich die Hirnrinde abschält, bittet den Herzschlag zum Tanz. Vielleicht war es doch zu früh alle Hoffnung fahren zu lassen. Ich muß die Sekunden ergreifen und das Leben aus ihnen herauswürgen. Notfalls mit Gewalt. Schließlich werde ich niemals wieder jünger sein.

„Frohlocken schön und gut.“, wirft ein weißbärtiger Persönlichkeitsaspekt mit Denkerstirn ein, „Aber sollten wir nicht trotzdem versuchen zu einem Verständnis unserer Mitmenschen, gerade der weiblichen, zu gelangen? Schließlich ist es das, was alle großen Geister umtrieb. Der Antrieb der Menschen.“. Ein wohl nicht ganz unberechtigter Einwand, den der Grüblerische da vorträgt. Dennoch kann derlei nun nicht mehr beachtet werden. Aufrührerisch knalle ich ihm eine gepfefferte Antwort vor den Bregen: „Mein werter Freund und Kupferstecher. Wer von sich behauptet ein großer Geist zu sein, und immer noch versucht das Wesen der weiblichen Psyche zu ergründen, ist entweder ein Lügner oder ein ausgemachter Schwachkopf!“.

Unerhörtes muß man hören. Doch anders kennt man es hier nicht. Verwirrung, Wirrsal, Wirsingsalat. Hier geht alles drunter und drüber. Und wenn man beliebt drüber zu bleiben, muß man sich mit Humorigkeiten und Grund zu leben wappnen. Ab und an ein Reim kann auch nicht schaden. So lassen sich die Gedanken besser merken. Denn manchmal gibt es gar nichts zu ergründen oder überlegen, manchmal gibt man sich einfach dem Moment hin: Und an manchen Zaubertagen, alle Sterne aufgereiht, will ich, kann ich, muß ich´s wagen, öffne meine Arme weit, mache Schritte, lerne laufen, rennen, schweben, fliegen gar, will in deine Himmel tauchen, zauberst mir ganz wunderbar, allerhand von Fröhlichkeiten, Grinsen weit wie Weltenrund, könnte reimen tausend Seiten, flüsters´ leis´ mit schmunzelnd Mund.

Ab und an gehen die Gedanken einfach ihren Gang.

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