Der Wahnwitz

wahnwitz

Oh, merket auf, es klopft. Ist wohl die Vernunft, die pünktlich wie ein Uhrwerk Einlass begehrt. Rasch, so eilt euch doch, verrammelt das Portal. Hier sollen Schalk und Schabernack heut´s  Zepter schwingen. In diesem Rund soll Unfug regieren. Heut´ kann die Realität ihren Mantel mal gleich am Eingang abgeben. Samt der Ernsthaftigkeit in den Taschen. Wir bohnern indes die Treppen und rodeln dann. Wir balancieren Melonen auf Nadelspitzen. Wir wurschteln uns durch den Zwiebelhain und schärfen vegetarisch die Sinne. Servieren das Salamibrot mit Tischfeuerwerk. Ohnehin: Mehr Konfetti!

Wir drehen das Grammophon bis zum Anschlag auf und spielen Walgesangplatten. Ein sägendes Solo der trächtigen Spechte. Den Holzwurm beim Pimpern überrascht. Schon fliegt die Kuh. Methanüberschuß. Wir zünden ihre Fürze an. Rammsteineffekte .“Lass knacken!“, rufen wir der Witwe Bolte zu, „Künstliche Hüftgelenke sind im Sonderangebot. Drei zum Preis von zwei!“. Sie schwingt das Tanzbein in unerbittlichem Radius. Die Stimmung zwirbelt die Zirbeldrüse. Wir bemalen den Mond mit Sonnenschein. Dachs und Lachs und Luchs und Fuchs bepinseln aus Jux die Fenster mit Avocadomarmelade. Dax und Lax und Lux und Fux signieren sie kurzatmig. Einer wirft im Wäschekeller im hohen Bogen mit Stühlen. Genau genommen kippt er sie um. Köstlich, betrunkene Biber. Die Blut-Hirn-Schranke war kurz von den vorbeiwackelnden Reizen eines lasziv fließenden Waschbeckens abgelenkt. Nun ist sie besoffen und macht Feierabend. Alkoholisierte Neuronen zünden fehl. Hier ist keiner mehr Herr seiner Sinne. Wie von Sinnen schaukelt das Flußpferd am Kronleuchter und rezitiert Passagen des Steuerrechts. Sollte es stürzen läuft wohl alles aus dem Ruder, doch der einzige augenklappenfreie Pirat behält es im verschwommenen Blick. Krachend springt ein Eimer Buttermilch triumpheslüstern aus dem Kleiderschrank. Er hat einen Anzug aus Salmiakpastillen gefunden und findet, daß Rauten zu seiner Augenfarbe passen. Ein Parallelogramm, selbst voll wie ein Eimer, stimmt ihm beeindruckt zu.

Die Kobra hat sich, beim Versuch sich am Hintern zu kratzen, einen saftigen Knoten in die Wirbelsäule gelötet. Bandscheibenvorfall. Mindestens vier Wochen Reha. Meint Doktor Mabuse mit Kennerblick. Auch den Saftsack kratzt´s am Bug. „Capri-Sonne“ hat einer da mit Eyeliner vermerkt und ein munterer Viertklässler stochert mit seinem spitzen Strohhalm herum. Amüsiert beobachten zwei Wiesel das Treiben. Sie haben Klamotten getauscht, weil laut einhelliger Meinung dem Iltis der Nerzmantel besser steht. In der Küche ein Knall. Fehlzündung der Eisbombe. Zum Glück stand nur ein abgeranntes Streichholz daneben, da fallen die Rußflecken und Verbrennungen kaum auf. Dennoch qualifizierte Schleudertraumata in der Besteckschublade. „Ihr Aufschneider gabelt immer die ganzen Verrückten auf und wir können das dann auslöffeln!“, klappert es in schepperndem Gleichklang heraus. „Genau“, fügt der Tortenheber etwas verspätet hinzu, „Ich hab´ jetzt einen Leistenbruch und kann mich beim Arbeitsamt vorstellen. Schweine!“. „Das heißt jetzt Jobcenter.“ merkt ein Eber an, der mit rundlicher Brille in der Ecke sitzt und nur kurz von seinem Kreuzworträtsel aufsieht. „Romantisches Gefühl mit fünf Buchstaben? Mist, „Ficken“ passt nicht.“. Ein mathematisch versierter Wackeldackel überhört das zwar, schüttelt aber trotzdem entnervt den Kopf.

Auf dem Flur, ebenso plötzlich wie vorsichtig, auf einmal Hufgetrappel. Ungebremst johlt die Waschbärenrotte los: Daaa, steht, ein, Pferd aufm Flur. Jaja, ein Pferd aufm Flur…“. „Schnauze“, wiehert es angewidert zurück, „Jedesmal der selbe Mist. Ich bin ein Einhorn ihr Arschlöcher!“. „Reg dich ab“, raunt ein Zebra im Vorbeigehen und hängt seinen gestreiften Mantel ans Einhornhorn. „Die meinen mich.“. Die Kleinbären kichern ethanolschwanger. Unterm einsamen Tapeziertisch, seine Frau ist heute bei einem Billardturnier, hockt indes ein strammes Geranienmännchen und übt seine Verführungskünste an einer heißen Biene. „Du heißt ´nen süßen Hintern dein eigen“, weiß er wortgewandt seine Worte zu gewanden. „Hab mich in Honig gesetzt. Das Zeug is echt überall.“, erwidert sie genervt. Und während der Blümerich anhebt von seinen Villen und Jachten und Rennkamelzuchten zu berichten, wohlgemerkt alles mit Blüten bezahlt, spuckt das Grammophon einen heißen Killerwalbeat aus. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Soweit einen die Füße noch tragen, hieven sie die Alkoholleichen auf´s Parkett. Mehr Zombies gab es nur im „Thriller“-Video.

Hin und wieder bricht sich ein Johlen Bahn und erhebt sich aus dem heiteren Geschnatter, das den Raum ausfüllt. Ganz stechend schneidet es durch die Partyaktivitäten. Wie ein übergewichtiger Pfeifton hört es sich beinahe an. Ein rhythmisches Pochen. „Ohh, ach so“, dämmert es aus dem Hinterstübchen, „Zeit aufzustehen. Das kommt jetzt aber irgendwie ungelegen…“. Und ein Schleier aus Vernunft mit feinen Nähten aus Realität beginnt die Festivitäten zu bedecken. Eigentlich ganz pfiffig, denn der Irrsinn hat eine ausgeprägte Sonnenallergie und der Vorhang der Nacht wird nun mit Macht aufgerissen. Mühsam falten sich die Lider auf und Tageslicht roundhousekickt den Wahnwitz von dannen. Bis heute Abend dann, und hebt mir ´nen Schluck Bowle auf.

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