Der Blödsinn

Wie wird der Geist mir wunderlich, wie wind´ ich in Verzückung mich. Wie klopft mit Narrenschellenklang, der Wahnsinn obenrum mir an. Hört´ ich da gerad´ den Buxbaum bellen, sah ich den Luchs durch´s Dickicht schnellen? Trägt Karos heut´ das Himmelsblau, ist Irrsinn nur wohin ich schau? Und überhaupt, die Sinne sind, am Schwinden, weichen blitzgeschwind. Denn was begreiflich und real, wird nun ersetzt, wird anormal. Die Luft schmeckt nach Lakritzgeschneck´ , ganz ohne Grund und ohne Zweck. An jeder Hand sechs Finger dran, da freut sich der Zwölffingerdarm, denn endlich kann man angenehm, nun Hand in Hand, durch´s Leben gehen. Ein Kibitz neckt aus fernen Wipfeln, er sucht nach Drüs´gewebesgipfeln. Denn leidlich schmust´s auf Dauer nur, sich an dem Busen der Natur.

Auch weiter links hat Lendenkraft, sich bis zum Stimmband aufgemacht. Ein Barde schlägt die Laute dort, mit lauten Lauten immerfort. Und sucht vermittels dieser Art, ´ne holde Maid mit Schenkeln zart. Das wiederum hat aufgeschnappt, ein Dampfschiff, das nun Taue kappt. Mit dröhnendem Signale eilt, das Schiff zum Sänger aufgegeilt. „Besteig´ mich“ morst das Nebelhorn, in einer Tour und stets von vorn. Am Ufer reckt das Schilf den Nacken, man hört fast seine Wirbel knacken. Es sucht zu spähen welcher Strolch, hier Frösche weckt, und Kröt´ und Molch. Wer hier den Binsen Weisheit spricht, mit lautem Schrei ins Angesicht. Doch angesichtig wird es nicht, dem Schuft der hier die Regeln bricht. Schon schwebt ein Walroß leis´ vorbei, ist´s Zaubertrank, gar Hexerei? In jedem Fall, schnell ist dies klar, ist kess gestutzt des Bartes Haar. Und auf den zweiten Blick sogar, dies sicherlich ne Fachfrau war. Denn auch der plumpe Segelflieger, will eingeschnürt in Wams und Mieder, mit Anzug sogar in zwei Reih´n, ´ne Herzensdame sich heut frei´n. Im Picknickkorb schläft Apfelmus, zu zweit zu schlabbern mit Genuß. Die Picknickdecke weichgespült, damit´s Gesäß sich weich anfühlt. Fast kommt es zu ´ner Kollision, ein Schmetterling, betrunken schon, obwohl es gerade mal halb zehn, kann gerad´ noch aus dem Wege geh´n. Der bunt getupfte Schlendrian, der eig´ntlich sollte nicht mehr fahr´n, war shoppen und das ziemlich früh, sein Zickzackkurs zeigt diese Müh´.

Dem flatterhaften Flattermann, vor Wochenfrist die Frau entkam. Das Haus in Gänze leer geräumt, auf alten Zeitung´n er nun träumt. Mehr blieb ihm leider nicht zurück, vom einst so großen Liebesglück, d´rum sieht man selbst bei schlechtem Willen, warum er voll ist mit Promillen. Und nicht nur er, denn wenig später, schleicht sich schon an ein Attentäter. Mit Heimtück´ und mit Hinterlist, von hinten er den Falter frisst. Es lauerte im Ufergras, ein Unterhemd, welches ihn aß. Gelockt vom bunten Farbenkleid, war´s bleiche weiß dem Hemde leid. Stets neidisch hatte es geschaut, wenn andernswer auf Pauken haut. Umstanden von Konfettiduft, ein anderer zum Tanze ruft. Nun war´s genug, entschied die Weste, ab heute schmeiße ich die Feste. Zum Starte gleich ´nen Cocktail ran, da flattert dieser auch schon an.

Es zwirbelt in der Zirbeldrüse, wenn solcherart ich denkend düse, durch unkartiertes Geistesland, wo mancher schon ´ne Zwangsjack´ fand. Doch, ach wie wundervoll ist dieses zwicken, der Welt mal untern Rock zu blicken. Die Masken ab, die Hosen runter, kaum wird´s bekloppt, da werd´ ich munter. Ich mal´ mir aus, was schweigend schwingt, wenn einer seine Sätze wringt. Was ungesagt und doch vorhanden, was mitschwingt wie im Wind Girlanden. Der Zierrat, der so angenehm, Gespräche schmückt, die endlos geh´n. Wo viel gesprochen, nichts gesagt, die Phantasie nach Background fragt. Warum die Schuh vorn abgewetzt, warum man ´ne Perück´ aufsetzt. Warum scheint dumm, nicht aufgeweckt, wer spricht mit sächsisch´ Dialekt. Weshalb bist du dort tätowiert, wo makellos dich Schönheit ziert. Warum hältst du so eisern fest, am dünnen letzten Haaresrest. Das fragt der Geist verwundert sich und windet in Verzückung mich. Da steht mir auf die Stirn geschrieben: „Hier ist´s, wo wir Blödsinn lieben!“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.