Das Antlitz von Glück

Das Antlitz von Glueck

Für Stunden könnte ich dich betrachten. Wie bei einem Gemälde alle feinen Details und Texturen studieren. Mehr noch jetzt, da das weiche Herbstlicht dich zwischen Gold und Bronze und Kupfer changieren lässt. Aber frage nicht nach Sonnenschein, schon nimmt mein Puls rasant Fahrt auf. Schnell und laut wird mein Herzschlag, wie das Klappern der Briefkastenklappen wenn die fingerfertige Flugblattverteilerin flink ihre Phalangen über die Fronten flitzen lässt. Famos.

Ich neige meinen Kopf etwas, um dem Blick einen anderen Winkel zu verleihen. Ungläubig beinahe lasse ich mich von der Ansicht gefangen nehmen. Zu denken, daß all dieser Glanz, all diese vollendeten Linien, all diese DNS aus nur vier kleinen Basen, etwas Phosphat und Zucker besteht. Obwohl man den Zucker manchmal sehen kann, wenn man genau hinschaut. Nur nicht zu lang. Schnell hat man sich Netzhautdiabetes geholt. Sehnervkaries womöglich. Dabei ist der süße Schimmer nur ein äußerliches Anzeichen innerer Schönheit. Nur das Sahnehäubchen. Darunter erst regiert, was mir die Sinne berauscht. Was mich staunen und stutzen und wohlig schaudern lässt.

Bedacht und voller Witz schlendern deine Worte dir über die Lippen. Gezeichnet von solcher Ausdruckskraft, daß deine Stimme stärker ist, wenn sie leiser wird. Als könne sie nur Wahrheiten aussprechen. In deiner Gegenwart muß ich nicht nachdenken. Alles fühlt sich richtig, natürlich an. Alles fließt. Nichts scheint einer Anstrengung zu bedürfen. Ich formuliere nicht vorsichtig oder angepasst. Ich denke nicht nach wie ich schaue oder sitze oder esse. Alles fließt. Mit dir scheinen meine Ecken und Kanten einen Sinn zu ergeben. Werden zu Zähnen eines Zahnrades. Greifen mit deinen Ideen ineinander. Treiben mich, treiben uns, an.

Vielseitig und vielgestalt sind deine Vorstellungen. Ein Pantheon an heiteren Nachdenklichkeiten. Stets mit Raum für Vervollkommnung, Veränderung, Verwandlung. Traumwandlerisch bewegst du dich zwischen den Gedanken. Zwinkerst ihnen zu. Reichst ihnen die Hand. Reichst mir die Hand. Elektrisierst mich und reißt mich mit. Weil du Schwierigkeiten so einfach wirken lässt. Mit glänzenden Eisvogelaugen weggeschmunzelt. Widerstand nur Sanftmut entgegensetzt. Ein einnehmendes Benehmen. Beispiel und Vorbild. Wohl Ursprung deiner adhäsiven Aura. Ausgangspunkt deiner Anziehungskraft.

Sogar das warme Licht der Herbstnachmittage scheint zu dir zu streben. Umfängt dich in elegant lodernder Liebkosung. Umspielt dich mit weichem Glühen. Als wolle es seine beste Arbeit abliefern. Als wolle es Triamantenglanz erfinden. Für Stunden könnte ich meinen Blick daran laben. Jedes Detail erforschen. Allem brauenwogen und nasekräuseln und lippenspitzen mit rasantem Herzschlag nacheilen. Meine müden Sinne in deiner Lebenslust baden. Für Stunden könnte ich lächelnd betrachten, wie du Glück ein Antlitz gibst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.