Die Erkenntnis

Erkenntnis

Erkenntnis wird, soweit bekannt, oft überraschend nur erlangt. Du suchst und fragst ganz grübelig, da kommt sie plötzlich über dich. Was eben noch verwirrend war, wird innerlich dir eilends klar.

So suchtest du den Grund zu finden, der Tränen Ursprung zu ergründen. Die Triebfeder der Lethargie, das Schmerzmotiv, die Apathie. Der tauben Tage Keim zu späh´n, um endlich Labsal auch zu seh´n. Das Hirn in Marter qualengleich, die inn´ren Stimmen zahlenreich. Stets gleichgestalt aus tausend Kehl´n: „Ihr Herz, ihr Blick, ihr Lachen fehl´n! Das Missen ihrer Nähe ist, was jeden Tag den Will´n dir frisst. Der Mangel ihres Anblicks macht, das Mut und Puls so abgeflacht. Wie drängte doch das Blut durch dich, im Strahlen ihres Angesichts. Wenn unter ihren Augenbrauen, aus braunen Augen Ängste grauen, dir furchtsam in die Seele schauen und alle Sorgen anvertrauen. Wenn weich die Winkel ihrer Lippen, im frohen Schmunzeln aufwärts kippen. Wenn sanft du übers Ohr ihr streichst, und jede Stund´ unendlich leicht.“.

Es schien so simpel, sonnenklar, der Herzschlag weg, die Schmerzen da. Ganz offensichtlich auf der Hand, wie aus Vermissen Pein entstand. Doch ganz so läppisch scheint es nicht, denn innerlich, da windet sich, allmählich weit´res noch ans Licht. Stellt überraschend eines Tages, sich als Erkenntnis dir dann ein, und kann nach all den schwarzen Stunden, dein Silberstreif am End´ wohl sein. Denn auch dich selbst hast du vermisst, dein freies frohes Denken. Kein Wunder, dass verwirrt du bist, wenn Ängste dich beschränken. In tausend Stund´ versessen, dich grübelnd selbst vergessen. In tausend Stunden nicht geseh´n, welch´ Kräfte in dir selbst entsteh´n. Lach’ nur in dein Spiegelbild, wenn Morgenhaar wie Watte quillt. Grinse über Eichhornbengel, und ihr Baum-hinauf-Geschlängel. Fühle Glück dank Morgenluft, und Blätter-, Blüten-, Lebensduft. Sei selbst dir wieder mal genug, und das mit Recht und auch mit Fug.

Vergiss´ nicht, wie viel Liebe war, ja ehre dies für immerdar. Doch schau auch vorwärts, ganz bestimmt, ihr beide Glück und Lachen find´. So schreib und schreib Gedanken nieder, geb´ was du fühlst in Sätzen wieder. Aus deinen Fingerspitzen fließt, was dich vergnügt, was dich verdrießt. Was an Erkenntnis du erlangt, oft überraschend, so bekannt.

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