Dann und Wann – Gedanken beim Gehen

dannundwann

Dann und wann, zumeist wenn ich des Morgens zur Werktätigkeit schlendere, machen sich meine Gedanken frei von Regeln, Normen und Sachverstand und rufen einfach herein, was Ihnen einfällt. Ausgelöst durch den Anblick eines vorwitzigen Kiebitzes, eines keck vorgetragenen Sprechgesangssatzes aus den Kopfhörern oder den modrigen Geruch aus den Kanaldeckeln, bricht sich dabei Aberwitz nicht selten Bahn. Nachfolgend sollen nun einige dieser famosen Torheiten vorgestellt werden. Halbgedachte Ideen, deren Odem eigentlich schon wieder ausgehaucht war, als ich sie hastig notierte. Nun erhalten sie eine zweite Chance, wenn ihnen diese Zeilen neues Leben anheimstellen. Herr Kapellmeister?!

Ab und zu denke ich, daß dem Genre „Zombiefilm“ schon vor Jahren der Saft ausgegangen ist. So leiden nicht nur die namensgebenden Hauptdarsteller unter augenscheinlicher Dehydration, auch die zu erzählenden Geschichten scheinen mir ausgereizt. Ohnehin ist die Prämisse doch immer sehr ähnlich. Durch Mutation oder Biowaffenangriff kommt es zu ersten Zombies. Diese jagen nun, getrieben vom recht exklusiven Geschmack nach Menschenhirn, die noch nicht Umgewandelten und fügen sie in ihre Reihen ein. Der Zuschauer begleitet einen oder mehrere der bisher nicht Infizierten und beobachtet ihren scheinbar aussichtlosen Überlebenskampf in einer Welt, die immer mehr von Zombies regiert wird. Ich denke, es ist höchste Zeit den Spieß umzudrehen.

Im von mir vorgeschlagenen Film ist die Welt bereits von Zombies angefüllt. Unbehelligt und mit der ihnen eigenen gemächlichen Herangehensweise gehen die Untoten ihrem Alltag nach. Schlurfen, stöhnen, sinnentleert schauen. Vielleicht lernen wir sogar kurz die ehemalige Familie Wiedergang kennen – Mutter, Vater, Kind und Hund – welche in sittsamer Gelassenheit gemütlich ihre täglichen Verrichtungen versieht. Die Sonne scheint, die Bienchen summen. Ein süßlicher Verwesungsduft streift wie die Zuckermandelfee durch die Straßen. Alles ist unaufgeregt und geordnet.

Urplötzlich bricht aus dem Unterholz eine Horde nervös schreiender Menschen hervor. „Da sind sie!“ rufen sie, oder „Euch reißen wir den Arsch auf, ihr Schweine!“. Irritiert blinzelt Familie Wiedergang bedächtig zu den Neuankömmlingen herüber. Was soll der Aufruhr am frühen Morgen? Fragezeichen werden, so gut es eben geht, gegrunzt. Das verstehen die Menschen natürlich nicht und schießen dem Vater erstmal einen Armbrustbolzen in die Fontanelle. Geschockt, wenn auch äußerlich teilnahmslos, nehmen es die Angehörigen zur Kenntnis. Da nimmt auch schon ein rasant geschwungener Eishockeyschläger Kontakt mit dem Zombiehundekopf auf. Was einstmals der gute Waldi Wiedergang war, ist nun nur noch ein hauptloser Haufen Fell.

In Großaufnahmen fängt die Kamera die scheinbar mienenlosen Gesichter von Mutter und Kind ein. Der Zuschauer weiß jedoch, welcher Horror sich hinter den milchigen, ekelerregenden Augen abspielt. Wenn hier mal nicht eine posttraumatische Belastungsstörung lauert. Schon spiegelt sich im untoten Blick die herannahende, schreiende Meute der skrupellosen Menschen. Stoisch und ohne eine Träne, Dehydration sein Dank, blicken die Zombies auf die nahenden Angreifer. Das Bild wird schwarz.

Vermutlich könnte dieser neue Blick das Genre „Zombiefilm“ zu ganz neuen Sphären führen. Andererseits denke ich ja auch andere abwegige Dinge.

Bisweilen erlaube ich mir auch den Blick eines einzelnen Atoms anzunehmen. Klaus Kohlenstoff, stolzer Sproß einer langen Reihe von Zerfallsprodukten, sitzt da also als elementarer Bestandteil in der Nebenniere und betrachtet das ihm bekannte Universum. Aufgrund seiner extrem überschaubaren Größe, sind schon, für uns, kleinste Distanzen unermesslich ausgedehnt. Sicher, er hat Geschichten von gigantischen Lungenbläschen und wilden Gentauschorgien in den Keimdrüsen gehört. Natürlich wurden auch ihm die Legenden von Hormonbanden, die eines Tages unangemeldet auftauchten und Unruhe stifteten zugetragen. Selbstverständlich kennt er die viral gegangen Erzählungen von Viren im Mastdarm. Aber für Klaus Kohlenstoff, sind alle diese Schilderungen unglaubliche Fabeln, ist doch die Welt, das Universum, so unsagbar unendlich. Und manchmal glaubt er fast, man müsse nicht mehr alle Protonen zusammen haben, um derartige Räuberpistolen für bare Münze zu nehmen. Andererseits denke ich ja sogar noch abwegigere Dinge.

Hier und da scheint es mir, als würden die herbstlichen Blätter ihrer bunten Individualität noch mehr Ausdruck verleihen, in dem sie einzigartig ihren Zweig verlassen und gen Boden streben. Es wirkt als könne das menschliche Ohr die Frequenz nicht wahrnehmen, in welcher ein jedes seinen Flug rufend begleitet. Langsam segeln manche Blätter hinunter und sagen vielleicht langgezogenen „Huuuiii!“. Andere rasen mit einem Affenzahn hinab und brüllen womöglich „Geronimo!“. Manche taumeln gemeinsam umeinander und scheinen „Ein Freund, ein guter Freund…“ von den Comedian Harmonists zu singen. Der Flug anderer Blätter scheint die Luft unendlich zu durchpflügen. Kraftvoll, aber elegant, machen sie sich die Thermik untertan und wirken als wollten sie ewiglich dahingleiten. So ist jeder kleine Tod, jedes abreißen und abreisen, eine eigene Geschichte voller Einzigartigkeit. Doch natürlich hören meine Gedanken zu Feld und Wald dort noch nicht auf.

Hin und wieder bestaune ich die seltene Unachtsamkeit, die Mutter Natur unterlaufen ist, als sie den meisten Früchten und Gemüsen eine rundliche Form gab. Zwar ist mir klar, daß hier ein perfektes Oberflächen-Volumen-Verhältnis erreicht werden soll, was durchaus Sinn macht, aber wenn dir beim Schneiden ständig kleine Möhrenscheiben vom Brett rollen, stellst du diese Logik schon in Frage. Die Liste lässt sich beinahe beliebig erweitern. Von A wie Apfel und Aubergine bis Z wie Zwiebel und Zitrone. Rund ist Trumpf. Und nicht jeder ist ein Reh oder Pavian oder Känguruh und möchte die Frucht direkt vom Baum knabbern. Da möchte man der Evolution schon mal ein Feedback geben und Vorschläge einbringen. Leider ist das nicht vorgesehen und Mutter Natur kümmert sich einen feuchten Furz um meine geometrischen Befindlichkeiten. Recht so. Schließlich habe ich, nach allgemein anerkannter Lehrmeinung, selbst nicht alle Kerne in der Melone.

Manchmal denke ich, daß es ganz angenehm wäre außerhalb der Zeit zu stehen. Unbehelligt von ihren Launen und ihrer Kraft einfach mein Ding zu machen. Abseits der wahrnehmbaren Realität. Entfernt von den Menschen. Nur für eine Weile. Ganz allein in Stille und Gedanken. Die Fäden von Schicksal und Geschichte zu betrachten. Zu studieren. Kein Morgen. Kein Abend. Kein morgen. Kein heute. Keine Zeit, und deshalb unendlich viel Zeit. Beinahe wären Zahlen unnötig. Kalender und Uhren auf jeden Fall. Atemlose Schweigsamkeit; niemand, der stört. Nichts klingelt oder vibriert oder piepst. Zeitlose, körperlose Unendlichkeit. Nur Hirngespinste und Ideen durchdenken. In warmer Einsamkeit allein gelassen. Manchmal möchte ich außerhalb der Zeit stehen. Manchmal stelle ich mir das wunderbar vor.

Derlei denke ich. Dann und Wann. Und natürlich noch viel mehr anderen Quatsch. Sinnlos oft, belanglos bisweilen. Reingerufen von inneren Stimmen, die sonst wohl nichts besseres zu tun haben und auch einmal im Rampenlicht stehen wollen. Witzig vorgetragener Aberwitz, der mir beim Gehen durch den Kopf geht und eben mal raus mußte, um Platz für neuen Schwachsinn zu schaffen. Möge Gott unseren Seelen gnädig sein…

2 Comments

  1. Schalömchen. Bin zwar nicht so oft hier, dafür aber in den Weiten des Internetz‘ auf eine Seite gestoßen, welche ich spontan mit Dir in Verbindung gebracht habe und welche Dir gefallen sollte.

    Bis irgendwann mal wieder!

    • Henman

      Ein erster, kurzer Blick ergibt, das dieser Tip mir sehr wohl liegt. Ich danke brav und werkle weiter, später les ich, werd gescheiter. Danke und bis bald.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.